VON MICHAEL WALTHER

Bis an die Strände Floridas hat sich die Ölpest ausgebreitet – und ein Ende ist nicht in Sicht. Nun will ein Schweizer mit seiner Erfindung bei der Eindämmung der Ölpest helfen. Die Firma HeiQ in Bad Zurzach hat einen Vliesstoff entwickelt, der Öl von Meerwasser trennen kann. Der Geschäftsführer Carlo Centonze bestätigt gegenüber dem «Sonntag», dass neben dem Ölkonzern BP auch der WWF, die amerikanische Umweltschutzbehörde EPA und die US-Armee ihr Interesse angemeldet haben. Hochrangige Militärs kommen nächste Woche nach Bad Zurzach, um sich den Vliesstoff mit dem Namen «Oilguard» genauer anzusehen. Ingenieure von BP haben die Idee aus über 20000 anderen Vorschlägen ausgewählt. Für die Umsetzung fehlt nur noch ein letzter Test vor Ort, der in den kommenden zehn Tagen durchgeführt werden soll.

Täglich 30 Kilometer Vliesstoff könnte HeiQ ab sofort zusammen mit seinem deutschen Partner, dem Textilhersteller TWE, produzieren. Theoretisch ist das genug Material, um bis zu einem Drittel des Öls aufzusaugen, das jeden Tag aus dem Bohrloch fliesst. Die grosse Saugfähigkeit unterscheide das spezielle Vlies von anderen Absorptionsmitteln, erklärt Murray Height, der technische Leiter von HeiQ: «Neu an der Oilguard ist, dass sie das Öl vom Meerwasser trennt. Das reine Öl im Vlies zieht dann seinerseits Öl an.» Die fünfeinhalb Meter breiten und bis zu fünfhundert Meter langen Bahnen können in der Brandung ausgelegt werden, sodass das Öl gar nicht erst am Ufer versickert. Die Firma hat das Vlies bereits in Pilotversuchen getestet – mit Erfolg.

Für die kleine Firma winkt nun das grosse Geschäft. Carlo Centonze sagt: «Wenn das Vlies zum Einsatz kommt, verzehnfacht sich unser Produktionsvolumen auf einen Schlag.» Ein Wachstum, das auch Arbeitsplätze schaffen würde: Am Standort Zurzach rechnet Centonze mit zehn neuen Stellen, sollte das Projekt erfolgreich sein.

Für den 36-jährigen ETH-Ingenieur aus dem Tessin wäre es nicht der erste wirtschaftliche Erfolg mit Umweltschutzprojekten. Centonze hatte bereits die Klimaschutzorganisation Myclimate mitbegründet. Die Ölbranche kennt er aus dem Elternhaus: Das Familienunternehmen seines Vaters – wo Carlo Centonze im Verwaltungsrat sitzt – vertritt BP in der Schweiz seit vielen Jahren.

Ein Schutz für die Strände ist dringend notwendig, denn auch beim jüngsten Versuch ist es BP nicht gelungen, das Ölleck ganz zu verschliessen. Zwar konnte über der abgesägten Ölleitung ein Behälter fixiert werden, aufgefangen werden kann damit aber nur ein Zehntel des austretenden Öls. Der Rest strömt weiterhin ins Meer, insgesamt sollen 170 Millionen Liter Öl ausgelaufen sein.

Auch Greenpeace dürfte sich für die Erfindung von HeiQ interessieren. Der Ölfachmann Christian Bussau äussert sich aber zurückhaltend über ihren Nutzen für die Umwelt: «Es gibt auch Vegetationszonen, wo keine Vliesmatten ausgelegt werden können, die Sümpfe am Mississippidelta zum Beispiel». Carlo Centonze meint dazu: «Wir haben keine Wunderwaffe, aber eine Lösung für einen Teil des Problems.»

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