Die Schweiz hat die militante islamistische Sekte Boko Haram auf die Sanktionsliste der Organisationen gesetzt, die Verbindungen zur Terrorgruppe al-Kaida oder den Taliban haben. Die Sanktionen umfassen Ein- und Durchreisesperren für die Mitglieder der Gruppe, die Sperre von Geldern und Vermögenswerten sowie ein Lieferverbot für Rüstungsgüter. Sie traten am Freitagabend in Kraft, wie aus der aktualisierten Sanktionsliste des Staatssekretariats für Wirtschaft (Seco) hervorgeht.

Der Schritt erfolgt im Einklang mit den Sanktionen, die der UN-Sicherheitsrat am 22. Mai gegen Boko Haram verhängt hatte. Der Sicherheitsrat war dazu von der Regierung Nigerias gedrängt worden, nachdem die Sekte 300 Schulmädchen entführt hatte. Beruhigt hat sich die Lage seither nicht: Trotz mehrerer Offensiven der nigerianischen Armee hat Boko Haram diese Woche erneut Hunderte Menschen in mehreren Dörfern getötet.

Auch die EU hat bereits Sanktionen gegen Boko Haram erlassen. Ob diese eine grosse Wirkung haben, ist zweifelhaft: Kritiker weisen darauf hin, dass die im Nordosten Nigerias beheimatete Sekte, welche die Errichtung eines mittelalterlichen islamischen Kalifats zum Ziel hat, kaum über grössere Vermögenswerte ausserhalb des Landes verfügen dürfte. Im Gegensatz zu al-Kaida waren Mitglieder von Boko Haram bisher auch nicht ausserhalb des Operationsgebiets unterwegs, das neben Nigeria auch Kamerun und Niger umfasst.

Angeführt wird die Terrorgruppe von Abubakar Shekau. Der Name Boko Haram bedeutet übersetzt «Westliche Bildung ist Sünde»; immer wieder hat die Sekte in den vergangenen Jahren Schulen und Bildungseinrichtungen angegriffen. Gemäss UNO ist Boko Haram seit 2009 für den Tod Tausender Menschen verantwortlich.

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