Sicher von zuhause in die Schule zu kommen – dafür sind heute die Eltern der Schüler verantwortlich. Doch das soll sich ändern, wenn es nach dem Fachverband der Fussgänger «Fussverkehr Schweiz» geht. Diese Organisation besteht seit 1975, sie ist ein vom Bund anerkanntes Kompetenzzentrum für den Fussverkehr.

In einem noch unveröffentlichten Faktenblatt hält «Fussverkehr Schweiz» fest, dass der Schulweg in den Aufgabenbereich der öffentlichen Hand gehöre. Im Schreiben mit dem Titel «Der zumutbare Schulweg – Das Recht auf Bildung beginnt an der Haustür» steht: «Ist der Schulweg für die Kinder zu weit, zu beschwerlich oder mit unzumutbaren Gefahren verbunden, haben die Kantone und Gemeinden Abhilfe zu schaffen.»

Der Verband will den Fussgängern auf der Strasse höhere Priorität einräumen. «Dies ist möglich zum Beispiel durch eine verträglichere Abwicklung des Verkehrs, durch tiefere Geschwindigkeiten oder den Einbau von Mittelinseln bei Fussgängerstreifen», sagt Thomas Schweizer, Geschäftsleiter von «Fussverkehr Schweiz». Pro Jahr werden rund 400 Kinder auf dem Schulweg verletzt, davon fast 80 schwer. Zwei Kinder verlieren dabei durchschnittlich ihr Leben, wie aus Zahlen des Unfallaufnahmeprotokolls der Polizei hervorgeht.

Schweizer, auch Autor der Studie, sagt: «Ein zumutbarer Schulweg ist nicht einfach Sache der Eltern, sondern der öffentlichen Hand. Die Schulbehörden und Gemeinden schieben das Anliegen der Eltern gerne auf die lange Bank.» Das müsse sich ändern. «Wir haben ein klares Ziel: Bis in fünf Jahren darf es in der Schweiz keine unzumutbaren Schulwege mehr geben. Wir fordern die Behörden auf, die Verkehrssicherheit auf den Schulwegen zu verbessern», sagt Schweizer.

Wann ist ein Schulweg zumutbar? «Die Zumutbarkeit des Schulweges» stellt einen unbestimmten Rechtsbegriff dar», sagt Rechtsanwalt Sandor Horvath. Die Beschwerdeinstanzen beurteilen die Zumutbarkeit des Schulweges laut Horvath in der Regel nach folgenden drei Kriterien des Bundesgerichts: Länge des Schulweges, Art des Schulwegs – dazu gehört insbesondere auch die Gefährlichkeit – sowie Person des Schülers. Zu Letzterem zählen Faktoren wie das Alter oder der Entwicklungsstand. Gemäss des Schreibens «(...) müssten eine Vielzahl der real existierenden Schul- und Kindergartenwege als unzumutbar qualifiziert werden». Sie seien zum Beispiel zu gefährlich oder zu lang. Schulwege von über 500 Metern und die Überquerung von Strassen – auch mit Lichtsignalen – würden für Vier- bis Fünfjährige «generell als unzumutbar» gelten.

Liegt der Schulweg in der Verantwortung der Behörden, hat das laut Schweizer für die Eltern nur Vorteile: «Die Vision, dass alle ihre Kinder sorgenfrei und alleine zu Fuss zur Schule schicken können, muss als Richtschnur der Behörden dienen.» Das Argument der Kosten lässt Schweizer nicht gelten: «Das sind ja keine unmöglichen Forderungen. Das bestehende Strassenbaubudget muss zuhanden sicherer Schulwege neu verteilt werden.»

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