VON CLAUDIA MARINKA

Am Donnerstag wurde in Basel ein 15-jähriger Sekundarschüler festgenommen, nachdem er gegenüber seiner Mutter massive Drohungen gegen mehrere Lehrer ausgesprochen hatte. Die Mutter meldete der Schulleitung den Vorfall und erklärte, ihr Sohn befinde sich auf dem Weg zur Schule. Der Jugendliche wurde kurz nach Mittag abseits der Schule angehalten. Er trug keine Waffe auf sich, und die Geschichte ging glimpflich aus.

Drohungen an Schulen häufen sich. «Auch an den Zürcher Schulen haben in den letzten Jahren Amokdrohungen zugenommen», sagt Enrico Violi, Gewaltbeauftragter der Bildungsdirektion des Kantons Zürich. «Die Polizei erhält immer mehr Meldungen, die auf eine mögliche Amoktat hindeuten. Zum Beispiel eine Drohung mit dem Wortlaut: ‹Morgen passiert es.›»

Jetzt will man handeln. «Wir werden in diesen Tagen an alle Schulen ein Merkblatt zum Thema ‹Zielgerichtete Gewalt und Amok› verschicken», sagt Violi. Es enthalte die wichtigsten Informationen über Anzeichen für eine mögliche Amok-bedrohung, präventive Massnahmen und Beratungsstellen, die Hilfe anböten. Zudem werde angegeben, was bei einem Notfall zu tun sei.

Potenzielle Bedrohungen machen den Lehrern Sorge. «Es ist schwierig, eine Situation immer richtig einzuschätzen», sagt Lilo Lätzsch, Präsidentin des Zürcher Lehrerverbandes. «Die Polizei informierte vor vier Wochen die Schulpräsidenten über das Verhalten in Amoksituationen», sagt sie. Lätzsch hat selber Erfahrungen gemacht.

Eine Schülerin kam zu ihr und meldete, dass ein Schüler aus einer anderen Klasse verbreite, er habe genug vom Leben und schaue sich Internetseiten mit Waffen an. Die Schulsozial-arbeiterin habe mit ihm geredet, und die Schulleitung sei zum Schluss gekommen, dass keine Gefahr bestehe.

Auch der Kanton Aargau hat das Gefahrenpotenzial erkannt. «Wir haben zusammen mit der Kantonspolizei ein Merkblatt ausgearbeitet, das wir demnächst an die Schulen verschicken werden», sagt Christoph Leuenberger vom Bildungs-Departement Aargau. Die Kantonsschulen haben bereits ein neues Notfallkonzept eingeführt. «Wir planen jetzt, das Konzept auf alle Volksschulen, Berufsschulen und Privatschulen auszudehnen.»

Am Dienstag veranstaltete die Kantonspolizei einen Workshop mit der Jugendstaatsanwaltschaft und dem schulpsychologischen Dienst. Thema: «Wie verhalte ich mich in einer Amoklage?»

Auch im Kanton Solothurn macht die Polizei mobil: Im Sommer bietet sie fünf Kurse an. «Damit sollen Lehrkräfte besser entscheiden können, ob bestimmte mündliche oder schriftliche Äusserungen, Drohschreiben oder Ähnliches ernst zu nehmen sind», sagt Rudolf von Rohr, Chef Sicherheitsabteilung.

Lesen Sie die ganze Geschichte in der gedruckten Ausgabe oder über E-Paper!