Schon während des amerikanischen Wahlkampfes liefen die Drähte bei Facebook, Twitter, Instagram und Snapchat heiss. Kein Wunder, die Schlammschlacht zwischen den beiden Kandidaten bot genügend Material, um im Minutentakt neue Bilder, Sprüche oder Videos um die Welt zu schicken. Als der Sieger der Präsidentschaftswahl feststand, schien das Internet zu explodieren, auf allen Kanälen der sozialen Medien tat man seine Empörung, seine Überraschung und mancherorts auch seine Freude kund.

Vor allem in der jüngeren Generation ist Donald Trump längst zum Lieblingssujet von lustigen Mitteilungen avanciert. Die manchmal ungezügelten Sprüche des Pöbel-Politikers eignen sich bestens dafür. Die Fotomontage, die ihn neben Noch-Präsident Barack Obama zeigt und mit «Orange is the new black» getitelt ist, verbreitete sich innerhalb weniger Stunden auf der ganzen Welt und wurde tausendfach geteilt und weiterverschickt.

Doch abgesehen von den Witzen; Was hält die Schweizer Jugend von Donald Trump? Junge Demonstranten in den USA zündeten nach seiner Wahl Barrikaden an. In der Schweiz blieb es ruhig. Obwohl es nicht das erste Mal wäre, dass ein amerikanischer Präsident die Schweizer Jugendlichen auf die Strassen bringt. Gegen den Krieg von Georg W. Bush im Irak protestierten 2003 auch hierzulande Tausende junge Menschen.

Die 21-jährige Vanessa kann sich zwar vorstellen, gegen Trump zu demonstrieren, sollte er irgendwann «irgendwelche Dummheiten» machen. Doch wolle sie abwarten. Sie sitzt in einer Vierergruppe an einem runden Tisch im Eingangsbereich der KV Business School, der grössten Berufsschule der Schweiz in Zürich. Der gleichaltrige Sandro, der neben ihr sitzt, ist weniger kritisch als seine Kollegin: «Ich hätte zwar nicht gedacht, dass Trump das Rennen macht, aber ich finde, man muss ihm jetzt eine Chance geben.» Er erntet entsetzte Blicke, und unter den Jugendlichen entbrennt eine Diskussion. Barbara sagt, sie sei schockiert von Trumps Wahl. «Ich habe Angst vor einem Krieg.»

Schlecht für die USA, gut für uns
Einen Stock höher versuchen sich ein paar junge Männer, auf ihre Hausaufgaben zu konzentrieren. Als der 19-jährige Noel gesteht, dass er Trump gewählt hätte, bricht Gelächter aus. Doch Noel bleibt dabei: «Zwar verachte ich ihn als Mensch. Er ist ein Rassist und ein Sexist. Aber ich glaube, aussenpolitisch ist er die bessere Wahl. Er wird den Nahen Osten in Ruhe lassen.» Hillary habe als Aussenministerin bewiesen, dass sie eine Kriegstreiberin sei. «Für die USA mag er eine schlechte Wahl sein, für den Rest der Welt nicht», sagt er.

Noels Kollegen stimmen ihm jetzt zu, sagen, dass Hillary einfach eine sehr schlechte Alternative war. Der 16-jährige Luca wirft zudem ein: «Er ist ein Unterhalter, ein Showman. Die Amerikaner lieben das. Jetzt müssen sie akzeptieren, dass sie einen Clown zum Präsidenten gemacht haben.»

Weniger auf die leichte Schulter nimmt es der ebenfalls 16-jährige Jonas. «Ich hätte trotzdem Hillary gewählt. Mir ist Trump einfach zu rechts.» Einfach alles an ihm widere ihn an. Seine Ausstrahlung, sein Rassismus. «Er erinnert mich an Adolf Hitler», sagt er und beugt sich wieder über die Hausaufgaben.

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