Ringe, Blumen, Hochzeitskleider, Anzüge und Torten: Auf der Hochzeitsmesse in Reigoldswil BL wurde im März alles präsentiert, was Paare für die perfekte Trauung brauchen. Einzige Besonderheit: Die Messe mit dem Namen «Swiss Queer Wedding Days» richtete sich an Homosexuelle. Sie war die erste Messe ihrer Art in der Schweiz – und ein Erfolg. Nach Angaben der Veranstalter kamen 900 Besucher. Obwohl fünf Jahre nach Einführung der Homo-Ehe die Zahl der Trauungen pro Jahr kontinuierlich abnimmt – und die Zahl der Scheidungen rasant steigt.

Versprachen sich 2007, im ersten Jahr, in dem sich Schwule und Lesben trauen durften, 2004 Paare die ewige Liebe, so waren es 2010 gerade noch 720. Dabei gibt es fast doppelt so viele Ehen zwischen schwulen Paaren als zwischen lesbischen Paaren. Das geht aus Daten des Bundesamtes für Statistik hervor. Die Zahl der aufgelösten Partnerschaften stieg im gleichen Zeitraum von 1 im Jahr 2007 auf 77 im Jahr 2010. Dieser Trend hielt auch im vergangenen Jahr an, wie Zahlen aus den einzelnen Kantonen und Gemeinden zeigen.

So ging im Kanton Bern die Zahl der heiratswilligen homosexuellen Paare von 84 im Jahr 2010 auf 82 im Jahr 2011 zurück. Die Zahl der Scheidungen aber stieg von 6 auf 13. Das gleiche Bild bietet sich in der Stadt Zürich. Dort gab es im letzten Jahr 133 neue eingetragene Partnerschaften und 30 Trennungen vor Gericht. Die Scheidungsrate bei Schwulen und Lesben liegt damit derzeit bei mehr als 10 Prozent – weit unter der von heterosexuellen Paaren. Derzeit gehen mehr als die Hälfte aller Ehen zwischen Männern und Frauen in die Brüche. Die Scheidungsrate liegt bei 54 Prozent.

«Die eingetragene Partnerschaft ist sehr wichtig geworden für homosexuelle Paare», sagt Uwe Splittdorf, Geschäftsleiter der Schwulenorganisation Pink Cross. Auch wenn die Zahlen der Eheschliessungen nach dem ersten Ansturm nun rückläufig seien, sei die Nachfrage nach wie vor gross. Allerdings ist sich auch Splittdorf bewusst: Männer und Männer passen nicht unbedingt besser zusammen als Männer und Frauen. «Die Scheidungsrate von Homosexuellen wird sich der heterosexueller Paare annähern», ist Splittdorf überzeugt. Dies sei unausweichlich. Splittdorf: «Warum sollte es bei uns anders sein?»

Der Paartherapeut Klaus Heer hat schon zahlreiche homosexuelle Paare beraten. «Die Themen sind aufs Haar dieselben wie in Mann-Frau-Beziehungen», sagt Heer. Es gehe um vernachlässigte Zweisamkeit, verstopfte Ohren, Lieblosigkeit aus Dauerfrust. «Das Leben im sozialen Mikrokosmos eines Paares ist sehr anspruchsvoll, fordernd bis überfordernd, ganz egal, wie das Paar zusammengesetzt ist», sagt Klaus Heer. Und der bekannte Psychologe ergänzt: «Es gibt keinen einzigen Grund, warum sich Hetero- und Homo-Ehen in ihrer Überlebensfähigkeit unterscheiden sollten.»

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