Im Dezember letzten Jahres verbreiteten die SBB noch frohe Botschaften. Im Vergleich zum Vorjahr 2013 entwickle sich der grenzüberschreitende Verkehr «sehr erfreulich», teilten die Bundesbahnen damals mit. Dieser Optimismus ist mittlerweile verflogen. Zu seinem internationalen Geschäft äussert sich der Betrieb nicht mehr. Kein Wunder: Der SBB-Auslandsverkehr steckt in der Krise. In der Konzern-Berichterstattung zum Jahr 2014 fehlten erstmals jegliche Zahlen zum Erfolg der Züge ins Ausland, entsprechende Nachfragen beantwortete der Bundesbetrieb mit Verweis auf «Geschäftsgründe» abschlägig.

Nun wurden die geheimen Zahlen dennoch publik. In einem diese Woche veröffentlichten Dokument mit dem sperrigen Titel «Kurzberichterstattung des Bundesrates über die Erfüllung der strategischen Ziele der verselbständigten Einheiten» hat die Landesregierung das Auslandsgeschäft ihres Bahnbetriebs kommentiert. Der Einbruch ist dramatisch: Um 6,4 Prozent sank die Verkehrsleistung der SBB im internationalen Geschäft 2014 gegenüber dem Vorjahr.

Bereits zwischen 2012 und 2013 hatten die Bundesbahnen einen Rückgang von 9 Prozent zu verzeichnen. Innerhalb von zehn Jahren sank die Verkehrsleistung der Züge über die Grenze um 25 Prozent. Zu Rückgängen sei es 2014 sowohl auf den Verbindungen nach Frankreich als auch nach Deutschland und Italien gekommen, schreibt der Bundesrat.

Die Gründe dafür ortet er einerseits in einem Angebotsabbau, etwa zwischen Genf und Marseille, und andererseits in der neuen Fernbus-Konkurrenz. Diese macht den Bundesbahnen insbesondere auf den Strecken in Richtung Deutschland das Leben schwer.

Dutzende Busse verlassen den Carparkplatz Sihlquai nahe dem Zürcher Hauptbahnhof täglich Richtung München, Köln oder Berlin. Auch Ziele in Italien und Österreich sind mittlerweile mit Linienbussen erreichbar.

Der grösste deutsche Anbieter, MeinFernbus Flixbus hat sein Angebot in den letzten Monaten rasant erweitert und setzt nun zu einer weiteren Offensive an. Ab Ende Mai führt der Anbieter zum Beispiel eine dritte tägliche Verbindung zwischen Zürich und Mailand ein und eine neue Nachtlinie zwischen Zürich und Berlin. Auch der deutsche Betreiber Postbus hat in der jüngeren Vergangenheit sein Angebot Richtung Schweiz ausgebaut.

Verloren die SBB Anfang der Nullerjahre noch vornehmlich Reisende an die damals neuen Billigflieger, sind nun die Busse der Hauptfeind des Bahnunternehmens. Die SBB selbst wollen das Ergebnis ihres Auslandsgeschäftes weiterhin nicht kommentieren. Eine Einschätzung zu Jahreszahlen nähmen die SBB jeweils anlässlich der Bilanzmedienkonferenz und der Kommunikation zu den Halbjahreszahlen vor, sagt ein Sprecher.

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