Viel wurde spekuliert über einen weiteren Tarifaufschlag im öffentlichen Verkehr, jetzt kommt die Stunde der Wahrheit: Am kommenden Mittwoch entscheidet der Tarif-Ausschuss des Verbandes öffentlicher Verkehr (VöV) über die Preise, die ab Dezember gelten sollen. Am Freitag wird dann die Öffentlichkeit informiert. Doch die Würfel sind bereits gefallen. Für die vorberatende Kommission ist klar: Es geht nicht ohne Tarifrunde.

Gemäss Informationen der «Schweiz am Sonntag» ist insbesondere für das wichtigste Mitglied des VöV, die SBB, klar, dass es Tariferhöhungen braucht. SBB-Chef Andreas Meyer sagte zwar in den letzten Wochen in den Medien wiederholt, es sei «offen», ob es eine Tarifrunde brauche. Hinter den Kulissen tönt es aber anders: Die SBB machen sich im VöV für höhere Preise stark. Eher überraschend ist, dass nicht nur das Halbtax- und das Generalabonnement teurer werden sollen. Sondern die ganze Angebotspalette, also auch Einzeltickets, Mehrfahrtenkarten und so weiter.

Die SBB sind mit ihrer Haltung in guter Gesellschaft. «Handlungsbedarf sehen vor allem die im regionalen Personenverkehr tätigen Betriebe», sagt VöV-Direktor Ueli Stückelberger.
Denn im Regionalverkehr reichen die Abgeltungen von Bund und Kantonen nicht mehr aus, um das Fahrplanangebot zu finanzieren. Die sogenannte «Abgeltungslücke» ist gemäss gut informierten Quellen auf 90 Millionen Franken gestiegen.

Im Tarif-Ausschuss sitzen Jeannine Pilloud (SBB), Bernard Guillelmon (BLS), Hans Amacker (RhB), Daniel Schlatter (Postauto), Norbert Schmassmann (Verkehrsbetriebe Luzern), Franz Kagerbauer (ZVV) und – ohne Stimmrecht – VöV-Direktor Ueli Stückelberger. Zu ihrem Entscheid können sich dann zwar die Transportunternehmen noch äussern, «doch das ist eine reine Formsache», wie Stückelberger sagt.

Wenig ausrichten können wird diesmal der Preisüberwacher: Nach dem Volks-Ja am 9. Februar zur Fabi-Vorlage (Finanzierung und Ausbau der Bahninfrastruktur) argumentieren die SBB, dass mit den steigenden Investitionen in die Infrastruktur auch die Betriebskosten höher werden – und dafür müssten die Reisenden zur Kasse gebeten werden.

Im VöV herrscht die Meinung vor, es sei besser, «mässig, dafür regelmässig» aufzuschlagen statt wie in der Vergangenheit nur selten, aber deutlich. Das Halbtax-Abo kostet zurzeit 175 Franken für ein Jahr. 2,3 Millionen Schweizer besitzen eines. Deutliche Preisaufschläge führten in der Vergangenheit dazu, dass die Verkäufe zurückgingen. Darum schreckt man im VöV vor der 200-Franken-Marke zurück. Darum nähert man sich ihr in kleinen Schritten an.

Das Generalabo (GA), von dem 441 000 im Umlauf sind, ist weniger preissensibel, doch auch hier ist nach der letzten Erhöhung im Dezember 2012 auf 3550 Franken für die zweite Klasse und auf 5800 Franken für die erste Klasse für viele Stammkunden eine Schmerzgrenze erreicht. Darum überlegt man sich neue Abo-Arten, etwa das «GA light» mit eingeschränkter Gültigkeit.

Möglich machen soll die Erweiterung der Abo-Palette die sogenannte öV-Karte. Jetzt ist auch klar, ab wann diese erhältlich sein wird: «Mitte 2015 fangen wir damit an», sagt VöV-Direktor Stückelberger. Langfristig soll, wer in der Schweiz unterwegs ist, mit dieser Karte alle Verkehrsmittel nutzen können. Mitte 2015 werden erstmals das Halbtax-Abo und das GA sowie einzelne Abos von Verkehrsverbunden auf der öV-Karte erhältlich sein, die im Kreditkartenformat erhältlich sein wird. Laut Stückelberger haben bereits mehrere grosse Skigebiete signalisiert, dass die öV-Karte auch als Tagesskipass geladen werden kann. «Die grossen Gebiete werden mitmachen», sagt Stückelberger.

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