Von Niklaus Ramseyer

«Ich habe dieses System auch erst kürzlich selber erlebt und entdeckt, und ich finde es eine gute Sache», sagt Oskar Freysinger. Der SVP-Nationalrat und Walliser Regierungsrat ist als Polizeidirektor seines Kantons der oberste Verantwortliche für «das System». Es geht um eine Verkehrsampel. Sie steht mitten im Dorf Les Evouettes in der Gemeinde Port Valais VS, die ans Südufer des Genfersees grenzt. Das Dorf leidet unter starkem Pendlerverkehr der Grenzgänger. Es litt lange auch unter Schnellfahrern.

Doch statt Blitzkästen oder Bodenwellen installierten die Behörden mitten in Les Evouettes als Gegenmassnahme vor Jahren schon eine schlaue Ampel: Sie ist gekoppelt an ein kleines Tempomessgerät, das auf die Anlage obendrauf montiert wird. Und sie schaltet immer dann auf Rot, wenn ein Fahrzeug schneller als mit den signalisierten 50 km/h auf sie zufährt.

«Wir machen damit sehr gute Erfahrungen», sagt Jean-Michel Dubosson von der Police Cantonale du Haut Lac. «Blitzkästen bereiten uns grossen administrativen Aufwand. Das Rotlicht keine. Und seine präventive Wirkung ist sehr gut: Wer regelmässig durch Les Evouettes fährt, der weiss, dass er gestoppt wird, wenn er zu schnell ist.»

Die guten Erfahrungen haben nun auch die Behörden im benachbarten St-Gingolph dazu gebracht, ein Raser-Stopp-Rotlicht an den Eingang ihrer Ortschaft zu stellen. Sie warnen die Automobilisten entsprechend: «Veränderung am Lichtsignal – bei mehr als 50 Stundenkilometern Rotlicht.»

Angesichts dieses Erfolgs verwundert es, dass weder die Beratungsstelle für Unfallverhütung (BfU) noch das zuständige Bundesamt für Strassen (Astra) die pfiffige «Raser-Stopp-Ampel» überhaupt zu kennen scheinen. Von «dieser Idee» habe man zwar gehört, heisst es bei der BfU. Dass die Spezialampel aber schon existiert und funktioniert, sei nicht bekannt.

Nach etwelchen Abklärungen teilt Astra-Sprecher Thomas Rohrbach mit: «Grundsätzlich ist der Zweck der Ampel die Verkehrsregelung.» Sie zusätzlich so aufzurüsten, dass sie auch Schnellfahrer stoppt, dürfte jedoch «im Ermessen der Gemeinden und Kantone liegen». Das System sei jedenfalls «eine interessante Sache». Einem breiteren Versuchsbetrieb in verkehrsgeplagten Gemeinden zeigt man sich beim Amt im Departement Leuthard (Uvek) nicht abgeneigt.

Schneller überzeugt das noch wenig bekannte System Politikerinnen und Politiker: «Das muss man fördern», sagt etwa die grüne Berner Nationalrätin Aline Trede spontan. Sie macht jetzt eine parlamentarische Eingabe folgenden Inhalts: «Der Bundesrat wird aufgefordert, interessierten Gemeinden mit starkem Durchgangsverkehr den Betrieb von Raser-Stopp-Ampeln im Sinne eines Versuchsbetriebs für zwei Jahre zu erlauben.»

Trede kann dabei auf die Unterstützung von rechts durch den Walliser Polizeidirektor zählen: «Wenn sie das macht, helfe ich mit», sagt SVP-Nationalrat Oskar Freysinger. «Sonst reiche ich wohl selber einen entsprechenden Vorstoss ein.»

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