Der Moderator der Newssendung sitzt einsam in seinem Kabäuschen. Freundlich lächelt er in die eine oder andere Kamera, die sich wie von Geisterhand bewegt. Im wahrsten Sinne ferngesteuert lässt er sich durch die Sendung führen. Die Regie befindet sich in einem anderen Gebäude als das Studio. Und die Kamerafrauen und -männer sind weggespart.

SRG-Generaldirektor Roger de Weck spricht intern häufig von der automatisierten Produktion, die das Fernsehmachen revolutionieren soll. Jetzt verbindet er seine technologischen Visionen mit dem Spardruck bei der SRG. 40 Millionen Franken muss er ab 2016 im 1,6-Milliarden-Franken-Budget seines Unternehmens einsparen – nachdem das Budget bereits im laufenden Jahr um 20 Millionen Franken gekürzt worden ist. Bis zu 250 Vollzeitstellen sollen gestrichen werden, erklärte die SRG diese Woche. Damit entfachte sie zumindest in Deutschschweizer Medien die heisse Diskussion: Welche Sendung kann ohne Verlust aus dem Programm gestrichen werden?

Dieses Rätselraten mag Leserinnen und Leser von Onlineportalen unterhalten, mit der Realität hat es wenig zu tun. Das Sparprogramm betreffe zwar alle Sprachregionen und Unternehmensbereiche, erfolge jedoch «vorrangig in Verwaltung, Informatik und Produktion», kommunizierte die SRG. Insbesondere die beiden letztgenannten Bereiche sind es, in denen aufgrund der erwarteten Technologieschübe Kosten wie Personal eingespart werden können. Maurizio Canetta, Direktor der Tessiner RSI, sagt in der «Tessiner Zeitung» offen: «Wir müssen die Produktion ändern.» Dieser Prozess ist bereits angelaufen: Seit März testen SRG und ihre Produktionstochter TPC unter dem Namen «News 2015» ein automatisiertes Regiesystem, mit dem Sendungen mit ferngesteuerten Kameras produziert werden können. Was zuerst nur «Glanz & Gloria» sowie «Meteo» betraf, wird derzeit nach und nach auf «Schweiz aktuell», «Tagesschau» und «10 vor 10» ausgeweitet.

Dass die Automatisierung Personal kosten wird, ist nicht nur absehbar – es ist auch das erklärte Ziel. Trotzdem fordert die SRG-Gewerkschaft SSM, gänzlich auf Kündigungen zu verzichten. Sie will Hand bieten für einen Abbau um 130 Stellen. Das «verbleibende Personal» werde die anfallende Mehrarbeit übernehmen und damit seinen Anteil «an der Gesundung der SRG-Finanzen» leisten.

Diese Forderung ist realistisch. Denn mit der angekündigten Streichung von 250 Stellen hat die SRG das maximale Schreckgespenst an die Wand gemalt. Laut internen Informationen sollen vom 40-Millionen-Sparziel rund 12 Millionen über «andere Massnahmen» und nur 28 Millionen über die Senkung von Personalkosten erreicht werden. Dies würde bei 250 Stellen bedeuten, dass die SRG pro abgebaute Vollzeitstelle lediglich mit 112 000 Franken Kostenersparnis rechnet – was deutlich zu tief ist. Realistischer sind die von der Bundesverwaltung in einer kürzlich beantworteten parlamentarischen Anfrage angegebenen Vollkosten pro Stelle bei den Öffentlichkeitsbeauftragten: Sie betragen 175 000 Franken.

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