Der Ausbau des Gotthard-Strassentunnels auf zwei einspurige Röhren habe «nur eine marginale unfall- bzw. kostenreduzierende Wirkung», hatte die Beratungsstelle für Unfallverhütung (BfU) in einem Positionspapier zum Gotthard-Strassentunnel geschrieben. «Denn das Rettungspotenzial ist relativ klein.» Auf 40 Jahre Lebensdauer gerechnet, betrage der «verkehrssicherheitstechnische Gewinn» 200 Verunfallte, davon 144 Leichtverletzte, 36 Schwerverletzte und 20 Getötete. «Es kann mit der Einsparung marginaler Kosten von 40 Millionen beziehungsweise volkswirtschaftlicher Kosten von 93 Millionen gerechnet werden.»

Dieser Beurteilung widerspricht nun Roadcross Schweiz dezidiert. «Massnahmen, die mehr Sicherheit bringen und Unfälle verhindern, dürfen nicht als marginal bezeichnet werden», sagt Geschäftsführerin Valesca Zaugg. «Vor allem nicht an einer neuralgischen Stelle mit einem dermassen hohen Verkehrsaufkommen.» Die BfU-Aussagen seien deshalb für sie «schwierig».

Roadcross Schweiz spricht sich deshalb für eine zweite befahrbare Gotthard-Röhre aus. «Jeder richtungsgetrennte Strassentunnel ist unterstützungswürdig», sagt Zaugg. «Roadcross Schweiz ist aus Sicherheitsüberlegungen für eine zweite, einspurige Röhre.» Damit seien keine Frontal-Kollisionen mehr möglich, es gebe eine grössere Auslaufzone und Rettungsaktionen seien besser machbar. «Zudem verfügen wir damit immer über eine zusätzliche Röhre, falls es in einer klemmt», sagt Zaugg. Sie spricht von der «verzeihenden Strasse»: Platz sei für den Automobilisten ein entscheidender Faktor. «Menschen machen Fehler», sagt sie. «Wir müssen aber dafür sorgen, dass der Fehler eines Automobilisten einen möglichst geringen Impakt hat.»

Roadcross Schweiz setzt sich für Verkehrssicherheit und die Beratung und Unterstützung von Strassenverkehrsopfern ein. 2011 reichte die Stiftung die Volksinitiative «Schutz vor Rasern» mit über 100 000 Unterschriften ein. Zaugg hatte 2008 die Geschäftsführung von Stiftungsgründer Roland Wiederkehr übernommen. Persönlich empfindet sie den Gotthard-Tunnel heute als «unerfreuliche Strecke», sagt sie. «Geschieht darin etwas, hat es meistens fatale Folgen. Kommen mir Lastwagen entgegen, denke ich immer: Hoffentlich hat der Fahrer alles im Griff.»

Roadcross Schweiz ist bereit, Hand zu bieten, dass die Kapazitäten gleich bleiben. «Das Problem ist, dass die gegenwärtige Situation Sicherheitsdefizite aufweist und man dies nicht dazu missbrauchen darf, die Kapazitätsfrage zu regeln», sagt Zaugg. «Um zu verhindern, dass die Kapazität erhöht wird, könnte man bei Tempo 80 bleiben.»

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