Für Autos, Umzüge oder Weiterbildung macht eine Kreditaufnahme Sinn. Das sagt zumindest Ex-Miss-Schweiz Christa Rigozzi in Inseraten und auf Plakaten der Zürcher Cembra Money Bank.

Ihre Botschaft missfällt Gregor Mägerle, dem Leiter der Schuldenprävention der Stadt Zürich. Er erachte es als «schwierig und höchst problematisch», dass die Tessinerin ihre Vorbildfunktion für die Kreditwerbung nutze. Besonders stossend ist für ihn, dass Rigozzi offenbar einen Sinneswandel vollzogen hat. Denn vor sechs Jahren engagierte sich die 33-Jährige für die Pro-Juventute- Stiftung und deren Förderung der Finanzkompetenz in Kindergarten und Schule.

«Plötzlich mehr Geld verdient»
Damals führte die heutige TV-Moderatorin an einem Presseanlass vor 30 Kindern durch eine Unterrichtsstunde und sprach über die Bedeutung des Sparens: «Meine Eltern haben mir beigebracht, dass ich nicht immer gleich alles haben oder kaufen muss», sagte Rigozzi, die im Herbst ihre Memoiren veröffentlichen will. «Als ich Miss Schweiz wurde und plötzlich mehr Geld verdiente, merkte ich, wie wichtig es war, dass ich einen verantwortungsvollen Umgang mit Geld gelernt hatte. Deshalb möchte ich heute Kinder dabei unterstützen, einen bewussten Umgang mit Geld zu entwickeln.»

Für Mägerle ist das eine «ausserordentliche Kehrtwende». «Eigentlich sollte ihr aufgrund ihres Engagements für Pro Juventute bewusst sein, wie vielen, gerade jungen Menschen Kredite zum Verhängnis werden.» Mägerles Amt zählte 2015 rund 3700 unter 26-jährige Personen mit Betreibungen in 15 Millionen Franken Gesamthöhe – macht 4200 Franken pro Person. Auch Sébastien Mercier von der Schuldenberatung Schweiz ist enerviert: «Von einer Person mit Vorbildfunktion erwarte ich Kohärenz. Es ist fragwürdig, dass Frau Rigozzi einerseits den Umgang mit Geld fördern will, andererseits für Konsumkredite wirbt.»

Rigozzis Manager Raffy Locher will auf die Kritik nicht eingehen. Seine Mandantin arbeite schon seit eineinhalb Jahren mit Cembra zusammen und habe dem Thema nichts beizufügen.

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