Bei Exit melden sich so viele Menschen an wie noch nie. Im vergangenen Jahr sind 11 500 Menschen beigetreten – einsamer Rekord in der 33-jährigen Geschichte der Sterbehilfe-Organisation. Dabei war schon 2013 mit 8000 neuen Mitgliedern ein Spitzenjahr. Der Zulauf ist so gross, dass Exit die Neuanmeldungen nur verzögert annehmen kann. Interessierte müssen mit mehreren Wochen Wartezeit rechnen.

Um den Ansturm zu bewältigen, hat die Organisation drei neue Mitarbeiter eingestellt. Das Team besteht nun aus 28 Personen. Vor wenigen Tagen hat Exit zudem in neues Büro in Bern im Quartier Länggasse eröffnet.

Doch das ist nicht alles. Die Verantwortlichen suchen nach einem neuen Sterbezimmer, vorzugsweise im Grossraum Zürich oder Bern, wie Exit im aktuellen Mitgliedermagazin schreibt. Ein zentralisiertes Zimmer wäre die beste Lösung, sagt Bernhard Sutter, Geschäftsführer von Exit. Auf den Zürcher Hauptsitz kann die Organisation nicht ausweichen. Wegen der vielen Anmeldungen werden alle Räume der Geschäftsstelle als Büro benötigt.

Sutter sieht mehrere Gründe für den grossen Andrang 2014. Die letztjährige Generalversammlung rückte Exit ins Zentrum des öffentlichen Interesses. Die Mitglieder stimmten fast einstimmig für den Altersfreitod und eine entsprechende Statutenänderung. Damit will Exit lebensmüden Hochbetagten den Zugang zum Sterbemedikament erleichtern. «In dieser Zeit meldeten sich teilweise mehrere hundert Menschen pro Tag an», sagt Sutter.

Der Freitod des krebskranken This Jenny, ehemaliger SVP-Ständerat, sorgte ebenfalls für grosses mediales Aufsehen – auch im Ausland. Einige Menschen hätten ein falsches Verständnis von Selbstbestimmung, kritisierte der ehemalige deutsche Bundesminister Franz Müntefering. «Die sagen: Ich muss entscheiden können, ob ich sterben will oder nicht, jederzeit in meinem Leben, begründungsfrei. Und das halte ich für gefährlich.» Doch Müntefering erreichte mit seiner Kritik das Gegenteil: Mit dem Aufsehen stiegen auch die Anmeldungen. Die meisten Neumitglieder sind zwischen 50 und 60 Jahre alt. «Diese Generation ist sich gewohnt, die Dinge selbst zu bestimmen», sagt Sutter.

Die Organisation hat heute mit 80 000 Mitgliedern die Stärke einer Bundesratspartei, Tendenz steigend. Trotz Allzeitrekord 2014 dürften sich die kommenden Jahre noch mehr Personen anmelden. Gemäss einer Publikation des Schweizerischen Gesundheitsobservatoriums haben 200 000 über 55-Jährige vor, Exit beizutreten – mehr als die Stadt Genf. «Darauf sind wir vorbereitet», sagt Sutter. Der Hauptsitz in Zürich müsse dann wohl vergrössert oder ein neuer Standort eröffnet werden.

Die Sterbehilfe dürfte auch 2015 ein wichtiges Thema in der Schweiz bleiben. Erst vor wenigen Monaten haben sich die Delegierten von über 50 Sterbehilfeorganisationen dafür ausgesprochen, den Sitz des Weltverbandes in die Schweiz zu verlegen. Neu soll der Dachverband in Genf organisiert werden.

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