Die Debatte um die geschmacklosen bis fremdenfeindlichen Italienerwitze, die der Berner SP-Stadtpräsident Alexander Tschäppät an einem Comedy-Event zum Besten gab, steuerte gerade ihrem Höhepunkt entgegen, als das Schweizer Fernsehen am 29. Dezember den satirischen Jahresrückblick «Endspott» ausstrahlte.

In einem Sketch nahmen die TV-Macher die «Täschli»-Affäre um US-Talkmasterin Oprah Winfrey aufs Korn, die sich nach dem Besuch in einer Zürcher Luxusboutique im August 2013 öffentlich beklagte, von der Verkäuferin rassistisch diskriminiert worden zu sein. Im Sketch trat Parodistin Birgit Steinegger mit schwarz angemaltem Gesicht und dicken Lippen als Frau Nogumi auf, die mit ihrem Besuch in einem Taschenladen beim Verkaufspersonal Panik vor einem Rassismusvorwurf auslöst. Der «Tages-Anzeiger» kritisierte schon einen Tag nach der Ausstrahlung unter dem Titel «SRF bei den Negern», die Parodie habe «selber das Zeug zum Skandal». Allerdings passierte dann erst mal nichts weiter – die Affäre schien zu versanden.

Doch jetzt zeigen «Schweiz am Sonntag»-Recherchen, dass Kulturschaffende in einem Brief an SRG-Generaldirektor Roger de Weck, SRF-Direktor Rudolf Matter und SRF-Unterhaltungschef Christoph Gebel gegen den Sketch protestiert haben – und dem Fernsehen mit einer Anzeige wegen Verletzung der Anti-Rassismus-Strafnorm drohen.

«Das sogenannte Blackfacing, also weisse Künstler, die sich schwarz anmalen, ist eine grundsätzlich rassistisch geprägte Kulturtechnik, die in den USA längst auf dem Index steht», sagt Schriftsteller, Regisseur und Musiker Raphael Urweider, einer der Initianten des Protests. In der bereits vorbereiteten Strafanzeige, die der «Schweiz am Sonntag» vorliegt, schreibt Urweider, der Sketch von Steinegger, «in welcher sie eine dumme, hässliche, kaum französisch sprechende Schwarze darstellt, reproduziert die Kulturtechnik des Blackfacing ohne doppelten Boden, ohne weiterführende Reflexion und überschreitet damit die Grenzen des guten Geschmacks». Urweider: «Es stört mich ganz grundsätzlich, dass die Schweizer Humorszene oft Witze auf Kosten von Albanern, Dicken oder anderen Minderheiten und Ausgegrenzten macht, gleichzeitig aber mit eingeladenen Polit-Grössen harmlos herumblödelt. Satire sollte sich gegen die Mächtigen und nicht gegen Schwache richten. Der Protest und die Anzeige sollen darüber eine Diskussion anstossen.»

Unterstützt wird Raphael Urweider, der selber mit einer Südafrikanerin verheiratet ist und sich intensiv mit dem Thema Blackfacing auseinandersetzte, von Theater- und Filmproduzent Samuel Schwarz: «Es nützt nichts, wenn sich alle über einen rassistischen Sketch empören, aber niemand etwas unternimmt. Man muss die Zivilcourage haben, dagegen Stellung zu beziehen.» Samuel Schwarz sieht den Protest als «gesundes Netzbeschmutzertum».

Christoph Gebel, Chef der SRF-Unterhaltungsabteilung, hat auf den Protest reagiert und die beiden Kulturschaffenden morgen Montag zu einem Gespräch eingeladen. «Wenn sich SRF nicht öffentlich für den TV-Sketch entschuldigt, werden wir die vorbereitete Strafanzeige einreichen», sagt Schwarz. Nach einer Entschuldigung der TV-Macher sieht es derzeit allerdings nicht aus – im Gegenteil: «Wir werden die Satirefreiheit verteidigen», sagt SRF-Unterhaltungschef Gebel.

Die Figur der Frau Nogumi von Birgit Steinegger laufe seit zehn Jahren über den Sender, so Gebel weiter – und bisher habe es dagegen keine Proteste gegeben. Im vorliegenden Fall der «Endspott»-Satire sieht Gebel ganz grundsätzlich kein Problem: «Der Sketch nimmt die hysterische Rassismus-Diskussion aufs Korn, die nach dem verunglückten Taschen-Kauf von Oprah Winfrey losgebrochen ist. Er richtet sich nicht gegen Schwarze, sondern nimmt die hysterische Reaktion der Schweizer ins Visier.» Immerhin lässt sich Gebel den Satz entlocken: «Sollten wir mit dem Sketch jemanden verletzt haben, so war das sicherlich nicht unsere Absicht.»

Wer sich bei SRF über inoffizielle Kanäle umhört, stellt allerdings schnell fest, dass es dem Schweizer Fernsehen selber nicht besonders wohl ist mit dem umstrittenen Sketch. «Verunglückt» ist intern noch die sanfteste Beschreibung.

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