Es kam aus heiterem Himmel: Am Donnerstag teilte die Schweizer Bischofskonferenz mit, dass der Informationsbeauftragte Simon Spengler (52) entlassen wird. Begründung: Reorganisation. Der dreifache Familienvater wurde ohne Vorwarnung und trotz anerkannterweise sehr guter Leistung auf die Strasse gestellt. Und das von der Kirche.

Jetzt gehen weitere Leute – sie aber aus Protest gegen die Bischöfe und ihr Vorgehen. Werner De Schepper, Präsident der Medienkommission der Bischofskonferenz, tritt per sofort zurück, wie er auf Anfrage der «Schweiz am Sonntag» erklärt. «Die Entlassung Spenglers, die hinter dem Rücken der Kommission erfolgte, ist unsäglich und der katholischen Kirche unwürdig. Sie ist alles, aber sicher nicht christlich.» Das sei ein «erbarmungsloser Umgang mit Menschen».

Spengler war gleichzeitig auch geschäftsführender Sekretär der Medienkommission. Und dort wurde seine Arbeit geschätzt. Etwa von Othmar Bäriswyl, Kommunikationswissenschafter und PR-Spezialist. Er gehe davon aus, sagt er, dass diese Entlassung «eines gestandenen Familienvaters» durch die Kirche «nicht nur mich, sondern auch die anderen Kommunikations- und Medienspezialisten der Medienkommission persönlich erschüttert hat». Er könne verstehen, dass Medienspezialisten jetzt ihr Amt aufgeben. Dann aber könne die Medienkommission ihre Aufgabe nicht erfüllen. «Dann werde auch ich überflüssig – zumindest in dieser Funktion, aber nicht als Familienvater», sagt Bäriswyl.

Spengler war 2010 vom damaligen Abt von Einsiedeln geholt worden, um die Kommunikation zu professionalisieren und besser zu vernetzen. Das hat er getan, womöglich mit zu grossem Erfolg. Als langjähriger Bundeshausjournalist nutze er seine Kontakte nach Bern. Spengler stand für offene Kommunikation, die auch Tabus thematisierte. Die Bischofskonferenz mischte sich wie Papst Franziskus zudem verstärkt auch in politische Fragen ein.

Das kam bei den Konservativen nicht gut an. De Schepper sagt, seit dem Rücktritt von Abt Martin Werlen als Verantwortlicher für die Medienkommission habe diese «den Rückhalt in der Bischofskonferenz verloren». Der Hintergrund der Absetzung von Spengler sei klar: «Die Bischöfe kuschen vor der aggressiven Medienstrategie aus Chur.»

Gemeint ist konservative, aber medial aktive Equipe um den Churer Bischof Vitus Huonder und seinen Generalvikar Martin Grichting. Spengler wie De Schepper gehören dem grossen liberalen, sozialen Flügel bei den Schweizer Katholiken an. Kaum ein Zufall: Spengler wurde unlängst vom Sprecher von Bischof Huonder im Mitteilungsblatt des Bistums Chur direkt angegriffen.

Spengler selbst, der noch keine neue Stelle hat, wollte sich zu den Vorgängen nicht äussern.

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