Die Schweizer werden kaum mehr produktiver. Zwischen 2003 und 2013 nahm die Arbeitsproduktivität um nicht einmal ein Prozent jährlich zu. Eine neue Analyse der Beratungs-Büros Ecoplan und Fahrländer und Partner zeigt nun: In den Städten läufts rund, in den Bergen harzt es. Und die Schere geht weiter auf. Während die Produktivität in der Region Zürich zwischen 2008 und 2012 um 5 Prozent zunahm, wuchs sie etwa im Schanfigg GR mit 1,5 Prozent oder in der Region Mendrisio TI mit 1,1 Prozent sehr bescheiden. Bei den untersuchten ländlichen Regionen, die sowieso eine tiefere Produktivität aufweisen, sei kein Aufholen festgestellt worden, schreiben die Studienautoren im Magazin «Die Volkswirtschaft». Im Gegenteil: «Die bereits produktiven urbanen Regionen bauen ihren Vorsprung weiter aus.»

Ein Grund dafür ist die Entwicklung des Branchen-Mixes. In den Städten sind die produktiveren Branchen – Finanzen, Versicherungen, Information – zu Hause, während sich die Zusammensetzung der Wirtschaft in den ländlichen Regionen zu ihrem Nachteil entwickelt. So nahm etwa der Anteil des relativ unproduktiven Gastgewerbes zu, produktivere Branchen reduzierten ihren Anteil.

Die jüngsten Entwicklungen verheissen für ländliche Regionen nichts Gutes. Der Tourismus leidet. Im öffentlichen Verkehr ist absehbar, dass der konstante Ausbau ein Ende hat. Und die Demografie trägt ihren Teil zur Sache bei. In der Stadt Zürich leben verhältnismässig immer weniger Menschen im Pensionsalter. In der Schweiz stehen 100 Menschen im erwerbsfähigen Alter über 28 Pensionierte gegenüber, in der Stadt Zürich sind es nur 25,5.

Weil in den Städten gleichzeitig der Anteil der unter 20-Jährigen unter dem Durchschnitt liegt, besteht die Bevölkerung zu einem überproportional grossen Teil aus Arbeitnehmern. Eine Verjüngungswelle erlebten in den letzten Jahren vor allem Bern, St. Gallen und Lausanne.

Die Städte ziehen auch bei der Schaffung neuer Stellen davon. Seit 1995 wuchs die Anzahl von Vollzeitstellen hierzulande um knapp 7 Prozent. Die Stadt Zürich verzeichnete ein viermal so hohes Stellenwachstum.

Doch der Motor droht abgewürgt zu werden, die Warnsignale mehren sich. In der neusten Auswertung des renommierten «Innovation Cities Index» ist Zürich im internationalen Vergleich im Jahr 2015 von Platz 59 auf 72 abgestürzt. Noch 2009 belegte Zürich Platz 25. Genf verlor innerhalb eines Jahres 9 Plätze und ist neu die Nummer 82, Basel gab 5 Plätze ab und ist neu auf Rang 160.

Zwei politische Mega-Themen entscheiden über die Zukunft der Wirtschafts-Riesen: die Masseneinwanderungsinitiative und die Unternehmenssteuerreform III (USR). Die Stadt Zürich sei zwar «in einem schwierigen Umfeld weiterhin gut positioniert», sagt Benno Seiler, Leiter der Wirtschaftsförderung der Stadt. Doch die USR drohe ein Loch von 300 Millionen Franken Steuerertrag in die Kasse zu reissen.

Ähnlich tönt es in Basel-Stadt: Als «Innovationsführer und international vernetztes Wirtschaftszentrum» sei der Kanton auf ein gutes Ergebnis bei der Unternehmenssteuerreform angewiesen, sagt Regierungsrat Christoph Brutschin. Und bei der SVP-Zuwanderungsinitiative sei eine wirtschaftsfreundliche Umsetzung vonnöten. «Je nachdem, wie die Masseneinwanderungsinitiative umgesetzt wird, könnten tiefere Kontingente das Wachstum der basel-städtischen Wirtschaft bremsen.» Wichtig sei, dass die Umsetzung die Bilateralen nicht gefährde, sagt der Zürcher Wirtschaftsförderer Benno Seiler. «Die Schweizer Städte sind auf Offenheit und Austausch angewiesen.»

Mehr Themen finden Sie in der gedruckten Ausgabe oder über E-Paper