Die Kasachstan-Affäre geht in eine weitere Runde. Jetzt ermittelt die Bundesanwaltschaft (BA) gegen unbekannt unter anderem wegen Hackings und verbotener Handlungen für einen fremden Staat, im Klartext Spionage.

Jeannette Balmer, BA-Sprecherin, sagt auf Anfrage: «Wir können Ihnen bestätigen, dass ein Verfahren gegen unbekannt läuft.» Namentlich wird wegen versuchter unbefugter Datenbeschaffung, versuchten unbefugten Eindringens in ein Datenverarbeitungssystem, versuchter Sachbeschädigung und versuchter Datenbeschädigung ermittelt. Und wegen verbotener Handlungen für einen fremden Staat, also Spionage. Weitere Angaben will die BA wegen des Untersuchungsgeheimnisses nicht machen.

Klar ist, dass es hier um ein weiteres Kapitel im kasachischen Krieg der Oligarchen geht, der in der Schweiz ausgetragen wird. Auslöser des Verfahrens der BA sind Anzeigen aus dem Lager von Viktor Khrapunov. Der ehemalige Bürgermeister von Almaty lebt in Genf. Die kasachische Regierung wirft ihm vor, er habe Millionen veruntreut und sich in die Schweiz abgesetzt.

Mitte 2013 sollen Khrapunov selbst, sein Anwalt und sein PR-Berater Opfer von versuchten Hacking-Angriffen geworden sein. Aus Sicht der Anzeigeerstatter ist die Täterschaft im Umfeld der kasachischen Regierung und ihrer Schweizer Verbündeten zu finden.

Ins Visier geraten dabei der private Geheimdienst Arcanum sowie die Wirtschaftskanzlei Homburger. Beide mit Sitz in Zürich. Wie aus (ironischerweise ebenfalls gehackten) und im Internet veröffentlichten E-Mails hervorgeht, arbeitet Arcanum als Subunternehmer von Homburger für das Regime in Kasachstan. Dessen Ziel ist es, Khrapunov vor Gericht zu stellen und sein Geld zurückzuholen.

Aus den E-Mails geht hervor, dass Arcanum zu Methoden griff, die von den Akteuren bewusst geheim gehalten wurden, selbst gegenüber Regierungsstellen in Kasachstan. Nach Ansicht des Khrapunov-Lagers fällt der Hacking-Verdacht darum auf den privaten Geheimdienst und seine Auftraggeber. Die Bundesanwaltschaft sollte deshalb so rasch wie möglich nach Beweisen beim Geheimdienst Arcanum suchen.

Bekannt ist, dass dieser schon zu Methoden griff, über die man lieber nichts Schriftliches festhalten wollte.

In einem E-Mail von Mitte Juni 2013, zeitlich nur wenige Tage nach den angeblichen Hackerangriff, schreibt ein Arcanum-Mann an einen kasachischen Regierungsvertreter: «Aufgrund der sensiblen Natur von Arcanums Geheimdienstarbeit und weil es wichtig ist, Unantastbarkeit, Schutz und Vertraulichkeit unserer Quellen und Methoden zu erhalten, ist es nicht machbar oder ratsam, zusätzliche Details in Rechnungen festzuhalten, die dann in verschiedenen Departementen des Kunden verteilt werden.» Auch die Anwaltskanzlei Homburger stellte sich auf den Standpunkt, keine Details in Rechnungen festzuhalten.

Arcanum wie Homburger halten fest, sich immer ans Gesetz gehalten zu haben. Es gilt die Unschuldsvermutung.

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