Von Ricardo Tarli

Arbeiten, wo andere ihre Ferien verbringen: Auf Mallorca haben Manager der Post über die Zukunft des Staatsunternehmens nachgedacht. Wie Post-Sprecherin Jacqueline Bühlmann bestätigt, haben vergangene Woche zwanzig Führungskräfte aus den Bereichen Briefsortierung und Briefzustellung an einem dreitägigen «Strategieworkshop» auf der spanischen Urlaubsinsel teilgenommen.

Dass die Post ihre Führungskräfte in Klausur auf die Balearen schickt, sorgt für Kopfschütteln. «Ich bin schon etwas erstaunt», sagt Natalie Rickli (SVP), Präsidentin der Kommission für Verkehr und Fernmeldewesen des Nationalrates. «Die Post ist kein privates Unternehmen. Solange sie im Staatsbesitz ist und in einem geschützten Markt operiert, ist in solchen Angelegenheiten volle Transparenz zu schaffen.» Ende August findet die nächste Sitzung der Kommission statt. «Ich fordere die Post auf, uns den Sachverhalt bis dahin transparent zu machen.»

«Elefant im Porzellanladen»
Kritik kommt auch von links: «Ich finde es ärgerlich, wenn sich öffentliche Unternehmen wie ein Elefant im Porzellanladen aufführen», sagt Regula Rytz, Nationalrätin der Grünen und Mitglied der Kommission für Verkehr und Fernmeldewesen. «Die Post muss Vertrauen gewinnen. Das kann sie nicht, wenn die Manager den Arbeitsplatz nach Mallorca verlegen. Das ist politisch unsensibel.» Die Post werde in den nächsten Monaten weitere Poststellen schliessen müssen. «Es wäre in dieser Situation ein starkes Zeichen, wenn die Führungskräfte ihren Arbeitsplatz eine Woche lang in eine Randregion verlegen und dort mit der Bevölkerung diskutieren. Diese Chance wurde verpasst.»

Das Eidgenössische Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (Uvek) will das Seminar auf Mallorca bei einem der nächsten Treffen mit der Post-Direktion zur Sprache bringen. Es liege grundsätzlich im Ermessen der Post, im Rahmen ihrer unternehmerischen Freiheit darüber zu entscheiden, ob eine solche Veranstaltung zweckmässig sei, hält das Uvek einer kurzen Stellungnahme fest.

Bei der Post wiegelt man ab. Der Workshop habe auf dem privaten Anwesen eines Mitglieds des Leitungsteams der Briefsortierung stattgefunden, sagt Post-Sprecherin Jacqueline Bühlmann. «Die Kosten für den Workshop wären wohl kaum niedriger gewesen, hätte der Workshop in einem Hotel in der Schweiz stattgefunden», argumentiert Bühlmann und weist darauf hin, dass die Post keine Mittel aus der Bundeskasse erhält. Weitere Fragen mochte die Post-Sprecherin mit Hinweis auf «unternehmensinterne Angelegenheiten» nicht beantworten. So bleibt unter anderem die Frage offen, ob die Teilnehmer die Reisekosten aus der eigenen Tasche bezahlt haben.

Der finanzielle Druck zwingt den Post-Konzern, das Poststellennetz weiter umzubauen. Die verloren gegangen Postfilialen werden zwar durch Agenturen in Dorfläden ersetzt. Trotzdem sorgen die Umstrukturierungen des Gelben Riesen immer wieder für Unmut in der Bevölkerung.

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