VON PIRMIN KRAMER

SBB-Sprecher Christian Ginsig fasst die Zeit vom 29. November bis zum 5. Dezember mit zwei Worten zusammen: «Sehr unglücklich.» Diese sieben Tage werden als Pannenwoche in die Geschichte der SBB eingehen. Gemäss «Wochenreporting», dem internen Pannenbericht, kam es zu 446 Zugausfällen. «In einer durchschnittlichen Woche verzeichnen wir zirka 120 bis 150 Ausfälle von Personenzügen», sagt Ginsig. Die Bahn führte einen Kampf gegen Feuer und Schnee, wie das Wochenreporting belegt:

Grossbrand: Freitagmorgen, 3. Dezember in Dübendorf ZH. Direkt an der Bahnlinie brennt eine Zimmerei. Die Züge können nur eingeschränkt oder gar nicht fahren. Tausende von Pendlern kommen zu spät zur Arbeit. «Totalunterbruch, Zugausfälle, Umleitungen, Bahnersatz», heisst es dazu im Bericht.
Schnee: Am 1. und 2. Dezember schneite es in der Schweiz und den umliegenden Ländern. «Zugausfälle, Umleitungen und Verspätungen» waren die Folge.

Witterungseinflüsse: Am 2. Dezember kam es zu einem Totalunterbruch der Strecke Neuenburg–La Chaux-de-Fonds. Ginsig sagt: «Ein gewisser Einfluss ist auf den Schnee zurückzuführen.» Er sagt, die SBB bereiteten sich intensiv auf den Winter vor, und er zählt die Massnahmen auf: «Jedes Fahrzeug – unabhängig von der Jahreszeit – ist mindestens einmal pro Woche im Fahrzeugunterhalt und wird vollständig überprüft.»

Die Weichen seien mit Heizungen ausgerüstet, damit sich kein Schnee ablagert oder Eis bildet. Im Winter blieben die Lokomotiven der SBB-Züge dauernd eingeschaltet, die Züge würden ständig geheizt. Bei Eisbildung und grosser Kälte werden Fahrzeuge im Winter mindestens einmal pro Woche von Hand mit Einsatz von Hochdruckreinigern vollständig enteist. Gegen kältebedingte Türstörungen pflegen wir die Gummidichtungen der Fahrzeuge mit Silikon.»

Neben dem kalten Wetter machten den SBB diverse «Störungen» zu schaffen: «Weichenstörungen», «Stellwerkstörungen» und «Lokstörungen». Im Jura kam ein Gleisschaden hinzu, in Biel die Entgleisung eines Zuges. 184 Dispozüge –«bemannte Reservezüge» – mussten in der Pannenwoche eingesetzt werden.

Die SBB hatten nicht nur mit der Hardware zu kämpfen, also den Lokomotiven, Zügen und Weichen, sondern auch mit der Software. Es traten Probleme bei der Abfrage des Online-Fahrplans auf. Inzwischen kann ein Hacker-Angriff ausgeschlossen werden, wie das Unternehmen mitteilt. «Abfragen mobiler Endgeräte sorgten für einen «Stau» bei der Datenübermittlung.» Das habe zu teilweise mehrstündigen Ausfällen des gesamten Fahrplansystems geführt. Inzwischen laufe die Software jedoch wieder stabil.

Den SBB droht neuer Ärger: Für die kommenden Tage prognostiziert Meteo Schweiz tiefe Minustemperaturen und Schneefall.

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