Da staunten die rund 50 Offiziere und Unteroffiziere der Flugabwehr nicht schlecht: Einer der grössten Nazi-Feldherren, Erwin Rommel, soll ein Vorbild sein? Kurz zuvor hat sie Oberstleutnant P. L. (Name der Redaktion bekannt) zum Kadervorkurs des jährlichen Wiederholungskurses begrüsst. Er beklagte sich darüber, dass der Schweizer Armee wirklich gute Führungspersonen fehlen.

Also zeigt er neben Bildern von historischen Kriegsherren wie George Marshall oder Alfred Graf von Schlieffen auch jenes des Nazi-Feldmarschalls Rommel. «Die Schweizer Armee braucht nicht nur gute Planer wie Marshall, sondern auch solche, die auf dem Feld gut führen können – wie zum Beispiel Rommel», erläuterte P. L. den jungen Militärkadern.

Erwin Rommel war ein deutscher Generalfeldmarschall während der Herrschaft des Nationalsozialismus. Er bekam den Beinamen «Wüstenfuchs» für seinen erfolgreichen Afrika-Feldzug, als er mit mobilen Panzereinheiten grosse Teile Nordafrikas einnahm.

«Ich war schockiert, dass unser Vorgesetzter einen Nationalsozialisten als Vorbild anpreist», sagt einer der anwesenden Unteroffiziere gegenüber dem «Sonntag». P. L. verteidigt sich: «Ich habe nicht Rommels Person gelobt, sondern lediglich seine Führungsqualitäten hervorgehoben.» Tatsächlich wurde Rommel nach dem Krieg lange als Edelmann unter den Soldaten verklärt. In Deutschland sind noch heute verschiedene Strassen nach dem ehemaligen engen Vertrauten Adolf Hitlers benannt und die Uni Erlangen-Nürnberg hat ein Studentenwohnheim nach ihm benannt.

Ein kürzlich erschienener Dokumentarfilm entzaubert diesen Rommel. Er beschreibt ihn als Soldaten, der davon überzeugt war, dass er innerhalb des nationalsozialistischen Wertesystems richtig handelt. Auch dass er sich gegen Ende des Krieges so deutlich gegen Hitler gewendet hat und sogar an einem Komplott gegen den Führer beteiligt gewesen sein soll, gilt heute als überholt.

Unabhängig vom Geschichtsbild des Nazi-Marschalls distanziert sich das Verteidigungsdepartement (VBS) von Rommel als «vorbildliche Führungsperson». In einer Stellungnahme schreibt es: «Aufgrund seiner Rolle im Dritten Reich war die Nennung Rommels unglücklich und fehl am Platz.» Es gäbe dafür genügen nennenswerte Schweizer Beispiele, «wie General Henri Guisan, Symbol der Selbstbehauptung in gefahrvoller Zeit».

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