Um diesen Putzjob brauchen sich Männer gar nicht zu bewerben. Ein Temporärbüro, das im Auftrag des Flughafens Zürich vor kurzem Aushilfspersonal für die WC-Reinigung suchte, richtete seine Annonce nur an Frauen.

Der Flughafen Zürich schreibe seine Jobs zwar geschlechtsneutral aus, sagt Flughafen-Sprecherin Sonja Zöchling, und auch den Temporärbüros schreibe man nicht vor, bei der WC-Reinigung ausschliesslich Frauen zu berücksichtigen. Fakt sei aber, dass es weibliche Passagiere gar nicht schätzten, wenn Männer ihre Toiletten reinigten. Die Passagiere kämen aus den unterschiedlichsten Kulturen. Das müsse der Flughafen berücksichtigen. Für die WC-Reinigung brauche man vorwiegend weibliches Personal. Das sei bereits seit Jahren so. «Wir hatten auch schon Männer, welche diese Aushilfsjobs ausführten», sagt Zöchling. Es habe aber Reklamationen gegeben, weshalb man aktuell nur noch Frauen für diese Wochenendeinsätze einplane.

Dass in der Job-Ausschreibung explizit nur Frauen angesprochen werden, dürfte eine Premiere sein – und «äusserst problematisch», wie der Arbeitsrechtler Thomas Geiser von der Universität St. Gallen sagt. Das Gleichstellungsgesetz sehe praktisch keine Ausnahmen vor, welche dies gestatten würden. Die Praxis lasse Differenzierungen zu, wenn sich diese sachlich rechtfertigen liessen. Der Kulturkreis der Kunden könne aber nicht als Begründung genommen werden, denn das Gesetz richte sich ja gerade gegen diese kulturell verankerten Vorstellungen. Ausserdem könnte der Flughafen das Problem auch lösen, indem etwa Toiletten während der Reinigung geschlossen würden. Flughafen-Sprecherin Zöchling winkt allerdings ab: Erfahrungsgemäss funktioniere das nicht. Wenn die Menschen dringend mal müssten, nähmen sie keine Rücksicht auf Absperrbänder.

Andere öffentliche Betriebe halten es anders – und lassen ihre WCs auch von Männern putzen. Bei den SBB heisst es, von negativen Kundenreaktionen wisse man nichts. Die Stadt Bern teilt mit, Probleme wie am Flughafen seien nicht bekannt. Man habe noch nie Reklamationen erhalten, weil Männer Frauen-WCs gereinigt hätten. Bei den Gartenbädern des Kantons Basel-Stadt sind Probleme ebenfalls unbekannt. In Ausschreibungen spreche man beide Geschlechter an. Nur im Frauenbad des Gartenbads Eglisees schaue man, dass Frauen die Garderoben putzten. In den Hallenbädern der Stadt Zürich werden die Gäste schriftlich informiert, dass Personal des anderen Geschlechts auftauchen könnte. Da man keine Stellen vergebe, die sich nur auf Reinigungsarbeiten beschränkten und sich die Stadt in der Personalpolitik an der Gleichstellung orientiere, spiele das Geschlecht des Personals keine Rolle, sagt eine Sprecherin des Sportamts.

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