Die Aussage des Schweizer Armeechefs André Blattmann, er halte Notreserven zu Hause, sorgt für Diskussionen. Im Interview mit der «Schweiz am Sonntag» erwähnte Blattmann das Buch «Blackout» des österreichischen Autors Marc Elsberg, das von den dramatischen Folgen eines flächendeckenden Stromausfalls in Europa handelt.

Bestseller-Autor Elsberg – er verkaufte allein im deutschsprachigen Raum 600 000 «Blackout»-Exemplare – hat den Wirbel mitbekommen und sagt: «Es freut mich natürlich, dass ein Thriller solche Aufmerksamkeit bekommt und ernst genommen wird. Armeechef Blattmann ist damit aber längst nicht der Einzige, auch nicht in der Schweiz.» Bereits vergangenen Herbst sei er bei einer Veranstaltung der wirtschaftlichen Landesverteidigung aufgetreten.

Das im Buch beschriebene Szenario eines Stromausfalls wegen terroristischer Cyber-Attacken werde von Experten für «sehr realistisch» gehalten. Elsberg: «Für den Roman habe ich insgesamt vier Jahre lang recherchiert.» Er erhalte heute immer wieder Einladungen von Behörden, etwa vom Chef der deutschen Bundesnetzagentur.

Denjenigen, die sich über die Notvorräte des Armeechefs mokierten – er lagert rund 300 Liter Mineralwasser – empfiehlt Elsberg, «sich näher mit dem Thema zu beschäftigen.» Danach, ist er überzeugt, «werden sich die meisten auch etwas Wasser und Konserven anschaffen.» Elsberg selbst lagert ebenfalls Notreserven, «auch wenn das nicht so viel ist wie bei Herrn Blattmann».

Elsberg wurde 2008 bewusst, «dass wir in den vergangenen zwei, drei Jahrzehnten die Art und Weise, wie wir unsere Gesellschaft organisieren, radikal geändert haben – und dass sich dessen kaum jemand bewusst ist». Die Verwundbarkeit habe enorm zugenommen, das gesamte System sei von der Energie- und speziell von der Stromversorgung abhängig. «Das beginnt beim Ausfall der Wasserversorgung in vielen Gebieten,

da die entsprechenden Anlagen wie Pumpen meist am öffentlichen Stromnetz hängen und selten Notsysteme haben. Kein Wasser mehr in der Leitung, aber auch nicht im Spülkasten der Toilette! Man stelle sich das in Grossstädten mit grossen Wohnbauten vor – wo die Fahrstühle natürlich auch nicht mehr funktionieren.»

Fast ebenso dramatisch ist für Elsberg das «fast sofortige Wegbrechen» praktisch aller Kommunikationsmittel: Festnetz, Mobilfunk, TV, Internet. Auch Bancomaten und der Zahlungsverkehr würden kollabieren. Ebenso weite Teile des Gesundheitswesens und der Landwirtschaft.

Auf die Frage, ob seine Katastrophenszenarien nicht übertrieben seien, antwortet Elsberg mit einem Zitat des britischen MI5: «We are four meals from anarchy.» – «Von der Anarchie trennen uns vier Mahlzeiten.» Das habe sich etwa in New Orleans nach dem Hurrikan Katrina gezeigt.

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