Springreiter Willi Melliger, der in seinem persönlichen Steckbrief Rindsfilet als Lieblingsessen und Zigarren als sein Hobby angibt, kennt jeder Schweizer. Unvergesslich die Siege mit seinem Traumschimmel Calvaro.

Der zweifache Olympia- und mehrfache Europameister-Medaillengwinner pflegte enge Kontakte mit Martin Gloor. Der Investor und Präsident des Pferde-Rennvereins Zürich wurde diese Woche wegen Betrugsverdacht in Millionenhöhe verhaftet. «Ich bin erschrocken, als ich davon aus der Zeitung erfuhr», sagt der heutige Besitzer eines Pferdezentrums in Neuendorf SO. Kennen gelernt hat er den dubiosen Investor beim Pferderennsport. «Wir waren auch einmal zusammen in Frankreich», so Melliger.

Gloor, der unter Verdacht steht, mit seiner Firma Core Capital Partners AG Anleger um Millionen betrogen zu haben, trat auch bei Melliger als finanzkräftiger Kunde auf. «Er hat bei mir vier bis fünf Springpferde gekauft, die er hobbymässig geritten hat», sagt Melliger.

Überraschend tritt der Präsident des RVZ, zu dem auch die Rennbahn in Dielsdorf gehört, im Frühjahr 2011 mit einer dringlichen Bitte an Melliger heran. «Vor rund einem Dreivierteljahr fragte er, ob ich die Pferde zurückkaufen kann. Was ich dann gemacht habe», so Melliger. Wie viel er bezahlt hat, will er nicht sagen. Man kann aber von einer hohen fünfstelligen Zahl ausgehen.

Die Aussage ist brisant. Der Verkauf der Pferde, darunter das Spitzen-Ross «Made in Margot», geschah just zu dem Zeitpunkt, als Gloor im März 2011 zum RVZ-Präsidenten gewählt wurde. Seine Wahl verdankte er vor allem dem Versprechen, dass er die Schulden von 1,5 Millionen bezahlen werde. Mit dem Geld aus dem Pferdeverkauf war er in der Lage, seine Liquidität zu belegen.

Von Geld dürfen die von ihm Geschädigten nur noch träumen. Ihre Anwälte schätzen die Betrugssumme, die der zweimal vorbestrafte Gloor verursacht haben soll, auf rund 10 Millionen Franken. Die angekündigte 20-Millionen-Investition auf der Dielsdorfer Rennbahn: eine Seifenblase des Hochstaplers. Für Martin Gloor gilt die Unschuldsvermutung.

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