Der Weltfussballverband (Fifa) wird mit Hinweisen auf manipulierte Fussballspiele überschüttet. Seit Donnerstag ist die neue Fifa-Wihistleblower-Hotline für Wettbetrug aufgeschaltet. Rund 700 E-Mails sind seither in nur 48 Stunden eingegangen. Menschen aus aller Welt melden Verdachtsfälle. «Eine beeindruckende Zahl», sagt Ralf Mutschke, Sicherheitsdirektor der Fifa. 90 Prozent stammen aus der Türkei. Darunter sind auch Mails von frustrierten Fans, weil in der Türkei noch immer Verfahren hängig sind. «Aber wir verfolgen jeden einzelnen Hinweis», verspricht Mutschke. Ob auch Meldungen aus der Schweiz eingegangen sind, kann die Fifa noch nicht sagen.

Doch das ist nicht alles. Es gibt einen zweiten Kanal für Informanten. Die Fifa schaltete diese Woche auch eine private Telefon-Hotline frei. Auf dieser können nur Personen Verstösse melden, die direkt im Fussball involviert sind. Dazu zählen Spieler, Schiedsrichter oder Mitgliederverbände. Zehn Hinweise hat die Fifa auf diesem Weg bereits erhalten. «Über die zweite Hotline versprechen wir uns mehr Insider-Informationen, weil sie aus der Mitte der Fussballgemeinschaft kommen», sagt Mutschke.

Die Hotlines sollen dazu beitragen, den internationalen Wettsumpf auszutrocknen. Am Montag präsentierte die europäische Polizeibehörde Europol die Zahlen des bisher grössten ermittelten Wettbetrugs in der Geschichte des Fussballs. Zwischen 2008 und 2011 sollen 380 Profispiele in 15 Ländern manipuliert worden sein, 300 weitere stehen unter Verdacht. Gemäss Europol sind die Türkei mit 79, Deutschland mit 70 und die Schweiz mit 41 verdächtigen Spielen am stärksten betroffen.

Nun will auch der Schweizerische Fussballverband (SFV) mit neuen Methoden gegen Spielmanipulationen vorgehen. Eine eigene Whistleblower-Hotline werde zurzeit von Liga und Verband diskutiert, sagt Marco von Ah, Sprecher des SFV. Allerdings wolle man erst die Erfahrungswerte der neuen Fifa-Hotline abwarten. Aber auch TV-Kameras für untere Ligen und eine härtere Bestrafung der Klubs, in denen Fussballer die Ergebnisse manipulieren, stehen zur Debatte.

Fifa-Sicherheitsdirektor Mutschke begrüsst das Engagement. Doch vor allem müsste die Justiz stärker mit den Sportorganisationen zusammenarbeiten. «Wir können viel schneller Strafen wie Berufsverbote verhängen als die Behörden», sagt Mutschke, der jahrelang als leitender Direktor beim Bundeskriminalamt in Deutschland arbeitete. Das Problem werde immer grösser, weil mehr Kriminelle erkennen würden, dass sie mit geringem Risiko viel Geld verdienen könnten. Es gebe mittlerweile Täter, die vom Drogenhandel zu den Fussball-Manipulationen wechselten. Die verhängten Gefängnisstrafen – wenn es überhaupt welche gäbe – schreckten niemanden ab. «Es muss einen Paragrafen des Sportbetrugs geben», sagt Mutschke.

Mit seiner Forderung für griffige Strafnormen ist Mutschke nicht allein. Das Bundesamt für Sport (Baspo) arbeitet derzeit daran, Gesetzeslücken zu schliessen. Zudem feilt der Europarat an einer passenden Konvention, die nächstes Jahr verabschiedet werden soll. «Wir brauchen gemeinsame Standards, um diese Delikte über die Landesgrenzen hinaus verfolgen zu können», sagt Baspo-Direktor Matthias Remund. «Sonst kriegen wir das nicht in den Griff.»

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