So werden Professoren auch nicht alle Tage genannt: Als «Wildkatzen» bezeichnete Michael Hengartner, Rektor der Universität Zürich, die Gelehrten in der SRF-Sendung «Rundschau». Klingt seltsam, soll aber eines verdeutlichen: Katzen lassen sich nichts sagen, Professoren auch nicht. Schon gar nicht von potenten Geldgebern. Oder etwa doch?

Diese Woche veröffentlichte das Schweizer Radio und Fernsehen Details zu mehreren Sponsoring-Verträgen zwischen Universitäten und Unternehmen. Demnach werden 300 von 4000 Professuren an Schweizer Hochschulen von Dritten finanziert – heikle Verflechtungen inklusive. An der ETH Lausanne kann der Pharmakonzern Merck Serono «akzeptable Änderungen» von Forschungsergebnissen verlangen. Die Universität Bern muss der Versicherungsgesellschaft Mobiliar Klima-Erkenntnisse in «praxisorientierter Form» liefern. Und an der Universität Basel wählt Interpharma den Professor für den finanzierten Lehrstuhl gleich mit. Ein Skandal für viele Wissenschafter, Politiker und Staatsrechtler. Sie sehen die Freiheit der Forschung unterwandert.

Nun reagieren die Hochschulen auf die Kritik. Die Universität Zürich plant eine Datenbank, in der alle Drittmittelverträge aufgelistet werden: Wer gibt wem wie viel Geld? Und zu welchem Zweck? Gleichzeitig soll eine zweite Datenbank die Interessenbindungen aller Professoren der Uni Zürich offenlegen. Darunter fallen auch heikle Nebenämter, wie sie Forscher oft in Verwaltungsräten haben. Die Datenbanken sollen 2017 online gehen – und werden wohl einige Nachahmer finden. Denn Initiant Hengartner ist nicht nur Rektor der Universität Zürich, sondern auch Präsident des Verbunds der Schweizer Hochschulen, Swissuniversities.

Zwar kann Hengartner seine Kollegen nicht verpflichten, eine Datenbank einzuführen, er hält sie aber für die beste Lösung. Damit ist er nicht allein. Patrick Aebischer, Präsident der ETH Lausanne (EPFL) und Prototyp eines Sponsorenjägers, spricht sich gar für eine nationale Datenbank aus. «Das wäre der beste Weg, um zu beweisen, dass wir nichts zu verbergen haben.» Zwar gebe es einige rechtliche Fragen zu klären, wie den Schutz von Personaldaten und Betriebsgeheimnissen, doch letztlich würden die Vorteile überwiegen. Aebischer, der auch im Verwaltungsrat von Nestlé sitz, nimmt die Swissuniversities in die Pflicht. Der Verband müsse ein nationales Projekt koordinieren mit dem Ziel, schweizweit Datenbanken einzuführen. «Bisher ist es uns nicht gelungen, unsere Position der Öffentlichkeit darzulegen.»

Für Aebischer ist die Kritik überrissen. «Die Welt ist nicht schwarz-weiss, voll mit netten Akademikern und fiesen Geschäftsleuten.» Die Zusammenarbeit mit der Wirtschaft sei essenziell. Einer technischen Hochschule müsse gelingen, Wissen und Forschung für die Wirtschaft nutzbar zu machen. Einen Konflikt sieht er nicht. Wissenschafter würden ihre Reputation nicht für Geld aufs Spiel setzen. Wer frisierte Daten präsentiere, verliere jeden Respekt der Kollegen.

Der Grünen-Nationalrätin Maya Graf (BL) reichen diese Erklärungen nicht. Seit Jahren fordert sie die Offenlegung und Überprüfung der Nebenämter von ETH-Professoren. «Es ist ein Armutszeugnis, wenn sich die Öffentlichkeit die Informationen erstreiten muss.» Die neuen Fälle zeigten, welche Probleme entstünden, wenn die Hochschulgremien allein über Transparenzkriterien entscheideten. Eine nationale Datenbank sei ein Schritt in die richtige Richtung, aber nicht genug. «Der Bundesrat muss nun die Grundlage für eine Meldepflicht legen.»

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