Es war ein deutliches Zeichen: In einer gemeinsamem Pressemitteilung verurteilen die Föderation Islamischer Dachverbände der Schweiz (FIDS) und die Koordination Islamischer Organisationen Schweiz (KIOS) den Pariser Terroranschlag vehement. «Jetzt sind deutliche Worte wichtig: Leute, die so einen Anschlag verüben, sind Terroristen. Man darf sie nicht mit gläubigen Muslimen gleichsetzen», sagt Farhad Afshar, der Präsident der KIOS.

Auch der Islamische Zentralrat Schweiz (IZRS) distanziert sich vom Attentat. Er zeigt sich in einer Mitteilung «schockiert ob des brutalen Angriffs». Doch in der Vergangenheit provozierte der IZRS immer wieder mit umstrittenen Aktionen. Zuletzt mit seinem Propagandafilm. Darin hisst der IZRS auf Schweizer Boden eine Flagge, die optisch derjenigen der IS-Kämpfer ähnelt.

Dieses Verhalten besorgt viele Schweizer Muslime. So auch die Vizepräsidentin des Forums für einen fortschrittlichen Islam, Valentina Smajli. Sie kritisiert, dass der IZRS «sich ob des Blutbades in Paris nur schockiert zeigt, dieses aber nicht verurteilt». Für Smajli ist der IZRS deshalb «eine grosse Gefahr für den religiösen Frieden in unserem Land und damit auch für alle Muslime».

Laut Smajli müssen nun Massnahmen gegen den IZRS ergriffen werden. «Ein Verbot wird unumgänglich sein», sagt sie. Vorerst gelte es, die Agitationsfelder des IZRS unter die Lupe zu nehmen und dessen Hintermänner und Finanziers zu entlarven.

Damit konfrontiert, sagt IZRS-Sprecher Qaasim Illi: «Der IZRS hat sich deutlich genug gegen Gewalt und Terror geäussert. Distanzieren muss sich der IZRS allenfalls dann von einer Person oder Tat, wenn er sich vorher damit aktiv assoziiert hat.» In der Stellungnahme des IZRS steht weiter, dass dieser «den weit verbreiteten Missmut über die wiederholt gezielten Provokationen des Magazins versteht». Dies rechtfertige jedoch nicht die Anwendung von Gewalt.

Nach der Tragödie in Paris sorgen sich vor allem die liberalen Muslime in der Schweiz, dass der Anschlag auf sie zurückfallen könnte. Sie befürchten, dass das Zusammenleben der Kulturen in der Schweiz beeinträchtigt wird. So auch in der Moschee in Wil SG. Vor dem Freitagsgebet sassen dort Gläubige zusammen. «Viele sind wegen der schrecklichen Vorfälle verunsichert», sagt Imam Bekim Alimi. Durch solche Taten würden auch hierzulande Menschen mit einem Islambild konfrontiert, das nichts mit der gelebten muslimischen Realität zu tun habe.

Hani Ramadan, Direktor des Islamischen Zentrums in Genf und der Enkel von Hassan al-Banna, dem Gründer der ägyptischen Muslimbrüder, sagt: «Was in Paris passiert ist, fördert die ohnehin grassierende Islamophobie.» Man habe von Anfang an, ohne die Details und Hintergründe zu kennen, pauschal die Islamisten als Schuldige gebrandmarkt. «Wenn die Attentäter auf der Flucht einen Polizisten ermorden, der ein Muslim ist, was hat dies mit dem Islam zu tun?», fragt Ramadan.

Imam Alimi hofft fest, dass der Terror in der Schweiz keinen Nährboden findet, und sagt klar: «Die Radikalen und die Radikalisierung schaden dem Islam am meisten – und zwar im In- und Ausland.»

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