Der Berner Bundesplatz wird zum Mekka der Muslime: Am 29. Oktober, eine Woche nach den eidgenössischen Wahlen, veranstaltet der Islamische Zentralrat der Schweiz (IZRS) eine Kundgebung auf dem grössten Berner Platz. Das Motto der Veranstaltung: «Tag gegen Islamophobie und Rassismus».

Geplant ist ein «Tag voller Spass im Freien», so steht es in einem Konzeptpapier, das dem «Sonntag» vorliegt. Als Redner sind gesetzt: Laura Booth, die Schwägerin des ehemaligen britischen Premierministers Tony Blair. Sie konvertierte nach einer Reise nach Iran zum Islam. Nora Illi, die Frauenbeauftragte des Islam-Rats, die sich in der Öffentlichkeit stets mit einem Gesichtsschleier zeigt. Zudem sind Auftritte des Mufti von Bosnien, Muamer Zukorlic, sowie muslimischer Bands geplant.

Das Konzept sieht vor, dass die orientalische Lebensart in Bern greifbar wird: Stände sollen islamisches Essen und Tee anbieten, auch muslimische Kleidung wird verkauft, etwa T-Shirts mit dem Aufdruck «Stolz, ein Muslim zu sein». Ein weiteres Programm-Highlight: Eine aufblasbare Moschee lädt Kinder zum Spielen. Kostenpunkt des Spektakels : 50 000 Franken.

Insgesamt rechnet der Islamische Zentralrat mit bis zu 2000 Besuchern. Rund 60 Prozent davon sollen Nicht-Muslime sein. Auf die Veranstaltung aufmerksam macht der IZRS mit einer provokanten Kleber-Aktion: Auf einem gelben Stern steht das Wort «Muslim». Damit spielt der IZRS auf die Verfolgung der Juden im Dritten Reich an. 5000 solcher Kleber hat der Verein drucken lassen.

Juden in der Schweiz sind empört: «Dieses Bild erinnert unweigerlich an den «gelben Stern», den die Juden während der Nazi-Zeit tragen mussten», sagt Sabine Simkhovitch-Dreyfus, Vizepräsidentin des Schweizerisch-Israelitischen Gemeindebundes (SIG). «Der «Judenstern» war ein Mittel, um die Juden ihrer Rechte zu berauben und sie letztlich zu vernichten. Ein entsprechender Vergleich setzt die Judenverfolgungen in unzulässiger Art und Weise herab», so Simkhovitch. «Wir lehnen dies entschieden ab.»

Nicolas Blancho, der Präsident der umstrittenen Muslim-Organisation, kontert: «Wir wollen mit dem Kleber zeigen, dass die Islamophobie von der Struktur her ein ähnliches Phänomen ist wie der Antisemitismus.» Zudem wolle der IZRS vor den Gefahren, die darin liegen, warnen. «Die Islamophobie ist heute mehrheitlich salonfähig», erklärt Blancho. «Diese Missstände müssen aufgezeigt und gelöst werden.» So sei auch die Wahl des Veranstaltungsortes ein bewusstes Zeichen: «Der Bundesplatz ist der Platz, um wichtige Themen in der Gesellschaft oder der Politik zu thematisieren.»

Es ist nicht das erste Mal, dass der Islamische Zentralrat den Bundesplatz für seine Zwecke nutzt: Die Organisation, die vom Nachrichtendienst des Bundes überwacht wurde, führte bereits 2009 eine Demo vor dem Bundeshaus durch. Damals machte die Veranstaltung Schlagzeilen, weil der IZRS den radikalen Prediger Pierre Vogel eingeladen hatte – die Behörden ihm jedoch die Einreise in die Schweiz verweigerten.

Um zu verhindern, dass auch bei der Veranstaltung im Oktober radikale Prediger vor dem Bundeshaus hetzen, hat die Stadt Bern den IZRS aufgefordert, das Programm sowie die Rednerliste im Vorfeld offenzulegen. «Der gesetzliche Rahmen muss gewahrt werden», sagt Marc Heeb, der als Leiter der Orts und Gewerbepolizei der Stadt Bern zuständig ist für Bewilligungen aller Anlässe auf dem Bundesplatz. Heeb hat den Zentralrat trotz allem in guter Erinnerung. Heeb: «Wir haben gute Erfahrungen mit Herrn Blancho gemacht.»

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