Von Laurina Waltersperger, Andreas Reich und Niklaus Vontobel

Für Hühnerfüsse haben hierzulande die meisten nur ein Nasenrümpfen übrig. Anders in China, dort sind die knorpligen Klauen auf dem Speiseplan äusserst beliebt. Ein Fakt, von dem sich Schweizer Fleischproduzenten durch das Freihandelsabkommen mit China einen lukrativen Geschäftszweig versprachen.

Doch daraus ist auch nach zwei Jahren Freihandelsabkommen nichts geworden. Das zeigt sich in den Zahlen des Staatssekretariats für Wirtschaft (Seco): Das Exportvolumen ist mit 19 Milliarden Franken 2015 nicht grösser als 2013. Schuld seien die langwierigen Prozesse der chinesischen Behörden, sagen verschiedene Branchen. «Der Start war sehr mühsam, die Chinesen haben unterschätzt, was es für die Umsetzung alles braucht», sagt Jean-Claude Probst, Präsident von Handel Schweiz. Es ist noch wenig zu spüren von der sino-schweizerischen Zusammenarbeit im Sinne von «One Belt, One Road», wie es Chinas Premier Xi Jinping diese Woche in seinem Gastkommentar in der «NZZ» als zentrales Anliegen formuliert. Der Präsident stattet der Schweiz nächste Woche einen Staatsbesuch ab und wird die Eröffnungsrede am Weltwirtschaftsforum (WEF) in Davos halten.

Umsetzung hapert
Mit dem Export von Hühnerfüssen müssen die Schweizer Fleischproduzenten also warten. Die entsprechende Freigabe für eine Geschäftsbeziehung erteile die chinesische Lebensmittelüberwachungsbehörde für die ganze Schweizer Fleischbranche, sagt Micarna-Sprecher Roland Pfister. Die hiesigen Anbieter müssten von der chinesischen Behörde erst auditiert werden. Das soll 2017 geschehen.

Startschwierigkeiten bei der Umsetzung des Freihandels gibt es auch in der Industrie. Dort sollen bis in zehn Jahren 92 Prozent der Produkte zollfrei nach China exportiert werden können. «Aktuell bestehen aber noch Schwierigkeiten bei der operativen Zollabfertigung in China», sagt Ivo Zimmermann, Sprecher des Branchenverbands Swissmem. Der administrative Aufwand sei im Fall von China nicht unerheblich. Das führt teilweise dazu, dass Schweizer Firmen freiwillig höhere Zölle als vorgesehen zahlen, da ihnen die Formalitäten am chinesischen Zoll zu kompliziert sind. Für Unternehmen, die vereinzelt nach China exportieren, koste der administrative Aufwand teilweise mehr als die bisherigen Zölle, so Zimmermann. Hingegen könnten Firmen mit regelmässigen Exporten und grossen Volumen über das Abkommen substanziell einsparen.

Die Pharmabranche bestreitet etwa einen Drittel des Schweizer Exportvolumens. Auch hier hapert es noch mit dem zollfreien Geschäft. «Nach anfänglichen Schwierigkeiten normalisiert sich die Abwicklung des grenzüberschreitenden Warenverkehrs zunehmend», sagt Novartis-Sprecher Satoshi Sugimoto. Im Zollbereich seien die chinesischen Kontrollsysteme umständlich und die Übergangsfristen lange. Beim Verband Interpharma sieht man diesbezüglich «noch viel Verbesserungspotenzial».

Der gleiche Tenor herrscht in der Schweizer Uhrenbranche: «Exportseitig ist man von der Idee des Freihandels noch weit weg», schreiben die Autoren einer Studie der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften. Doch sie bleiben zuversichtlich: «Trotz Nutzungs-Schwierigkeiten und harten Geduldsproben wird sich das Abkommen als lukrativ für Schweizer Unternehmen herausstellen, nicht nur im Uhrenbereich.»

Optimistischer klingt das Seco: Das Freihandelsabkommen habe sich gut eingespielt, sagt Sprecher Fabian Maienfisch. Aber China sei «kein leichtes Pflaster», die Bearbeitung des grossen Marktes brauche Durchhaltevermögen und könne Rückschläge mit sich bringen.

Bei der Umsetzung muss nachgebessert werden. Dessen scheint sich auch Premiers Xi Jinping bewusst zu sein. In seinem Zeitungskommentar heisst es dazu, man solle «proaktiv nach Möglichkeiten suchen, das sino-schweizerische Freihandelsabkommen aufzuwerten».

Mehr Themen finden Sie in der gedruckten Ausgabe oder über E-Paper.