Von Dominic Kobelt und Patrik Müller

Bereits vor einigen Wochen kritisierte Franz Ritzmann, Vater der entlassenen Iris Ritzmann, in einem offenen Brief den damaligen Uni-Rektor Andreas Fischer. Das im «TagesAnzeiger» veröffentlichte Schreiben war allerdings entschärft worden.

Der vollständige Wortlaut offenbart, mit welchen Mitteln hinter den Kulissen gekämpft wird. Franz Ritzmann stellte den unzensierten Brief ins Internet, wie er gegenüber der «Schweiz am Sonntag» bestätigt. Darin bezeichnet er Christoph Mörgeli als «wissenschaftliche Null» und als «Schädling».

Damit nicht genug. Franz Ritzmann, seinerseits emeritierter Wirtschaftsprofessor, stellt einen hochproblematischen Vergleich an: «Wenn aber tatsächlich ein Konflikt zwischen dieser Aufgabe und der Universitätsleitung bestehen sollte, dann bleibe ich selbstverständlich gegenüber der institutionellen Verfassung (Universitätsgesetz) loyal und nicht, wie es z. B. im 3. Reich üblich war, gegenüber einer Person.»

Der Brisanz seiner Äusserungen scheint sich Franz Ritzmann durchaus bewusst zu sein, denn er betont, dass er den Brief ohne Zustimmung seiner Tochter und ihres Ehemanns verfasst und publiziert habe. Christoph Mörgeli wollte zu Ritzmanns Aussagen gestern keine Stellung nehmen.

Während Ritzmanns Vater polemisiert, wird auch ihr Bruder aktiv. Er organisiert finanzielle Unterstützung. Die Uni Zürich hat Iris Ritzmann freigestellt, weil sie vertrauliche Informationen über das Medizinhistorische Institut an den «Tages-Anzeiger» weitergegeben haben soll – was den Nährboden für eine Medienkampagne legte und in der Entlassung des Professors und SVP-Nationalrats Christoph Mörgeli mündete. Ritzmann werden schwerwiegende Loyalitätsverletzungen vorgeworfen.

Ihr Bruder Heiner Ritzmann sagt nun, die Ex-Uni-Angestellte befinde sich in einer schwierigen Situation: «Noch ist nicht einmal sicher, dass Iris in den kommenden sechs Monaten Geld von der Arbeitslosenversicherung erhalten wird.»

Die Versicherung könnte argumentieren, dass das Vertragsverhältnis mit der Universität Zürich erst im nächsten Mai aufgelöst wird. Die Universität hat die Lohnzahlungen aber bereits Ende Oktober eingestellt. So habe Iris keine Möglichkeit, eine andere vertragsmässig gesicherte Stelle anzutreten, sagt ihr Bruder. Hinzu komme, dass auch ihr Mann, Eberhard Wolff, freigestellt und von der Staatsanwaltschaft offiziell noch immer als «dringend tatverdächtig» eingestuft werde, sagt Ritzmann.

Heiner Ritzmann ist Präsident eines neuen Vereins, der sich dieses Problems annehmen will: Der Zweck des Vereins UVAK («Unterstützungsverein für AkademikerInnen in Konflikten mit öffentlichen Arbeitgebern und Behörden») erklärt sich mit dem Namen. «Grundsätzlich können sich alle Akademikerinnen und Akademiker an uns wenden», sagt Heiner Ritzmann. Allerdings sei der Verein noch im Aufbau und verfüge momentan nicht über die Ressourcen, um mehrere Fälle gleichzeitig zu bearbeiten. Er macht im Internet auf sich aufmerksam (www.uvak.ch) und will dort Spender mobilisieren.

Neben dem vierköpfigen Vorstand hat der Verein gerade mal ein Dutzend Mitglieder. «Wir gehen davon aus, dass noch weitere Personen zu uns stossen werden», ist Ritzmann überzeugt. Das umstrittene «NZZ»-Inserat, in dem sich mehr als 500 Akademiker für die bedingungslose Wiedereinsetzung Ritzmanns ausgesprochen haben, habe der Verein weder organisiert noch formuliert, sagt Ritzmann. Mit dessen Inhalt identifiziere man sich aber voll und ganz. «Der UVAK wird – soweit er die Mittel dazu aufbringen kann – für die Kosten des Inserats aufkommen», sagt Heiner Ritzmann. Die Initiative sei von sechs Professorinnen und Professoren ausgegangen. Auch die Unterschriftensammlung ist von diesem Initiativkomitee organisiert worden. Die Finanzierung durch den UVAK sei erst zu etwa einem Drittel gesichert, man hoffe aber auf weitere Spenden, so Ritzmann.

Die Universität hat inzwischen angekündigt, die Umstände von Ritzmanns Entlassung zu überprüfen. Sie beauftragte den ehemaligen Direktor des Bundesamts für Justiz, Heinrich Koller, mit der Untersuchung. Im Zuge der Affäre ist Uni-Rektor Fischer per sofort von seinem Amt zurückgetreten.

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