Die Geheimdienste von NSA, CIA bis hin zum israelischen Mossad standen kürzlich Schlange, um ein geheimdienstliches Spitzenprodukt zu begutachten. Ein Hochfrequenzsender für Satellitenfunk, dessen Antenne sich im Deckel der Laptop-Tasche verbirgt. Beschlagnahmt wurde das High-Tech-Gerät von in Deutschland aufgeflogenen russischen Agenten.

Das Interesse an einer Spionagemethode, die an die Zeit des Kalten Krieges erinnert, hat einen aktuellen Grund: Die flächendeckenden Abhörmethoden der NSA und anderer Geheimdienste, die millionenfach E-Mails und Telefonate abhören.

Um sich vor diesen Lauschangriffen zu schützen, hat man die guten alten Hochfrequenzsender wieder entdeckt. Der sogenannte Botschaftsfunk eignet sich besonders gut für die abhörsichere Kommunikation mit Spionen und das Versenden verschlüsselter Botschaften bei heiklen Missionen.

Der Vorteil der Hochfrequenzsender: Sie sind konkurrenzlos in Anonymität und Sicherheit. Man braucht dazu kein verwundbares Internet. Keine Zieladressen und keine Telefonnummern oder Webseiten verraten den Empfänger. Die hochmodernen NSA-Abhöranlagen sind deshalb nicht in der Lage, die verschlüsselten Zahlenfolgen im Äther zu knacken.

Laut dem Bundesamt für Kommunikation Bakom besitzen aktuell rund 30 Botschaften in der Schweiz eine Funk-Konzession – gebührenfrei. Darunter die Chinesen in Zürich, die Amerikaner, Israeli, Engländer und Russen in Genf – in der Nähe der UNO.

Wie das Beispiel der verhafteten Spione in Deutschland zeigt, sind die Funkanlagen hochgerüstete High-Tech-Apparate. Welche Spitzentechnik in den Botschaften betrieben wird, weiss die Schweiz nicht. «Soweit sich an den genutzten Frequenzen nichts ändert, ist dazu keine Konzessions-Anpassung notwendig», sagt Bakom-Specherin Caroline Sauser.

Dass der Botschaftsfunk eng mit den Geheimdiensten zusammenhängt, zeigt sich am Beispiel der Schweiz. Offizielle Benutzer sind das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten EDA und das Militärdepartement VBS. Für den Betrieb ist aber vor allem die Führungsunterstützungsbasis FUB zuständig, deren Kommandant in der Schweizer Abhörzentrale Onyx in Zimmerwald BE stationiert ist.

Der Schweizer Botschaftsfunk wurde zum Beispiel beim Terroranschlag vom 11. September 2001 in New York zur Kommunikation eingesetzt. Nach Informationen der «Schweiz am Sonntag» kam die abhörsichere Kommunikation auch bei den Geiselnahmen von Schweizern in Mali, Pakistan und Libyen zum Einsatz. «Welche Kommunikationsmittel zum Beispiel bei Entführungen durch die Schweiz eingesetzt werden, berührt operative Sicherheitsfragen und das wird aus naheliegenden Gründen nicht bekannt gegeben», sagt EDA-Sprecher Pierre-Alain Eltschinger zum Einsatz des abhörsicheren Funks bei Geiselnahmen.

Das EDA bestätigt aber, dass der Botschaftsfunk neben Draht- und Satellitendatenübertragung von der Schweiz und den meisten anderen Staaten als Kommunikationsmittel eingesetzt wird.

Dieser Trend wird noch zunehmen, US-Präsident Obama hat zwar diese Woche ein paar Korrekturen bei der Datensammlung angekündigt, aber keinen Zweifel offen gelassen, dass die NSA ihre Lauschangriffe weiterführen werde.

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