Das klassische Porträtfoto war einmal. Wer heute einen Moment festhalten will, macht das in drei Dimensionen. Ein 3-D-Drucker kann fast alles herstellen – sogar eine Mini-Version eines Menschen. Die kleinen, lebensechten Figuren liegen zurzeit im Trend.

«Seit einigen Wochen hat das Geschäft deutlich angezogen», sagt Stevens Senn, Mitbegründer des Zürcher Unternehmens my3Dworld. Auch die Gutscheine, die schweizweit in rund 1600 Poststellen verkauft werden, seien ein Renner. Wie beliebt die Figuren mittlerweile sind, zeigt sich auch im Ausland: Als erster US-Präsident liess Barack Obama seine obligatorische Präsidentschaftsbüste nicht von einem Bildhauer meisseln, nein, er liess sie ausdrucken.

Doch wer eine kleine Version seiner selbst haben will, muss sich gedulden. Die Herstellung ist aufwendig: Mit einem Scanner wird die Person von allen Seiten erfasst. Dabei darf sich der Kunde nicht bewegen. Danach errechnet der Computer ein perfektes 3-D-Modell. Anschliessend trägt der Drucker Schicht für Schicht einer Keramik- und Gipsmischung auf, bis die Skulptur steht. Zum Schluss wird die Figur geputzt und bepinselt. Fertig ist der Mini-Klon.

10 bis 20 Zentimeter gross sind die Miniversionen aus dem Drucker. Billig sind sie nicht. Je nach Hersteller, Grösse und Komplexität kosten sie zwischen 250 und 540 Franken.

Gewünscht werden vor allem Figuren, die einen besonderen Moment einfangen, sagt 3-D-Experte Senn. Schwangere in den letzten Wochen vor der Geburt liessen sich ebenso gerne verewigen wie Männer, die ihren Heiratsantrag nachstellen – kniend, mit Blumen in den Händen. «Wichtig sind die Emotionen», sagt er. Auch die Firma Poketsizeme in Stilli AG spürt die Adventszeit. Mehrere hundert Bestellungen sind eingegangen. «Wer jetzt noch eine Figur bis Heiligabend haben will, muss sich sputen», sagt Geschäftsführerin Ulrike Kiese. Denn die Herstellung dauert in der Regel über eine Woche – und der Terminkalender ist fast voll. Kurzentschlossene können notfalls auf einen Gutschein zurückgreifen.

Von Kleinkindern bis zu Senioren haben schon alle Altersklassen eine Miniaturversion von sich selbst in Stilli herstellen lassen. Einige bringen ihre Haustiere mit, andere lassen sich nackt scannen. Eine Berufsgruppe scheint aber eine besondere Vorliebe für die kleinen Figuren zu haben: Polizisten. Ein Dutzend Gesetzeshüter sei zuletzt ins Scan-Studio gekommen, um sich zu verewigen, sagt Kiese. «Wenn sie pensioniert werden oder das Korps wechseln, wollen sich die Polizisten noch einmal in der alten Uniform präsentieren.»

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