Der Vorfall, so erzählt man sich in der Kampfjet-Szene, sei so abgelaufen: In der Berner «Bellevue»-Bar sass ein Manager des Herstellers EADS (Eurofighter). Ein Unbekannter trat an den Tisch: «Sie haben einen Fehler gemacht, Sie haben nichts gezahlt. Die anderen zahlten 50 Millionen. Für 60 Millionen kehre ich den Entscheid.» Dann verschwand der Unbekannte. Spätere Versuche, den Mann zu identifizieren, scheiterten.

Das war am 10. September 2013, am Vorabend des Entscheides im Nationalrat zum Kauf des Gripen-Kampfjets. Kann sein, dass sich ein Scherzkecks eine Provokation leistete. Es kursieren auch leicht andere Versionen der Story. Eine besagt, dass auch ein Chef des zweiten Gripen-Konkurrenten, Dassault (Hersteller der Rafale) mit am Tisch sass. Sicher ist: Tags darauf sagte der Nationalrat mit 113 zu 68 Stimmen Ja zum Kauf der 22 Gripen für 3,126 Milliarden. SVP, FDP, CVP und BDP setzten sich fast geschlossen für den Schweden-Jet ein. Obwohl namentlich die FDP zuvor grösste Vorbehalte geäussert hatte.

Kein Wunder, schiessen die Spekulationen ins Kraut. Eine davon: Zahlt Saab den Gripen-Supportern hohe Parteispenden? Das wäre in der Schweiz nicht mal illegal. Parteispenden müssen auch gar nicht ausgewiesen werden.

«Die FDP gibt aus Prinzip keine Auskunft über die Finanzierung der Partei», sagt FDP-Generalsekretär Stefan Brupbacher. SVP-Generalsekretär Martin Baltisser wird deutlicher: «Wir haben weder direkt noch indirekt je irgendeine Spende von Saab erhalten. Auch wurde uns nie eine solche angeboten oder in Aussicht gestellt.» Ähnlich äussern sich CVP und BDP: «Bislang erhielten wir keine Spenden von Saab und es ist auch nichts zugesagt», sagt CVP-Generalsekretärin Béatrice Wertli. Richard Smith, Kampagnendirektor Gripen Schweiz, lässt ausrichten: «Wir haben Parteien nicht mit Spenden unterstützt». Auf die Frage nach künftigen Spenden geht er nicht ein. SP-Präsident Christian Levrat sagt: «Wenn Saab so weit gehen sollte, Schweizer Parteien finanziell zu unterstützen, wäre das ein klarer Schritt in Richtung Korruption.» Martin Bäumle, Präsident der ebenfalls Gripen-kritischen Grünliberalen, sagt: «Parteispenden sind nicht verboten. Aber vor einem Volks- oder Parlamentsentscheid so etwas zu versprechen, wäre zumindest heikel.»

Parteispenden sind das eine. Finanzierung der Abstimmungskampagne um den Gripen 2014 ist das andere. Levrat sagt: «Ich gehe davon aus, dass sich Saab, zweifellos über Intermediäre, finanziell am Abstimmungskampf beteiligen wird. Saab wird alles tun, um die Abstimmung zu gewinnen.» Für ihn wäre eine solche «Einmischung einer ausländische Firma in einen Schweizer Abstimmungskampf skandalös».

Auch GLP-Chef Bäumle würde es als «problematisch» einstufen, wenn Saab die Kampagne finanzieren sollte: «Aber auch das wäre nicht verboten. Auch das linke Lager legt nicht immer offen, wer seine Kampagnen finanziert.»

Auf die Frage, ob Saab den Abstimmungskampf mitfinanzieren wird, sagt Richard Smith: «Welches unsere Rolle bei einem möglichen Referendum sein wird, wissen wir im jetzigen Zeitpunkt nicht. Das werden wir selbstverständlich zu gegebener Zeit genau anschauen.» Und: «Für uns ist wichtig, den politischen Prozess zu respektieren; und gleichzeitig wollen wir ihn unterstützen, indem wir Fakten und Informationen über Saab, Gripen und unser Schweizer Industrie-Beteiligungsprogramm (SIP) zur Verfügung stellen.»

Sicher ist, dass für Saab und Schweden viel auf dem Spiel steht. Sie brauchen die Einnahmen aus der Schweiz dringend. Sagt das Schweizer Volk Nein, droht dem neuen Gripen das Aus.

Entsprechend forsch geht der Konzern zur Sache. Im Juni griff Saab-Präsident Marcus Wallenberg persönlich ein. «Am Rand des Swiss Economic Forums hat er sich die Präsidenten der Bundesratsparteien in Einzelabreibung vorgeknöpft und versucht, sie vom Gripen zu überzeugen», sagt SP-Chef Levrat. Die Politiker konnten sich der Aktion nicht entziehen: Wallenberg ging sie der Reihe nach an, als sie in der Maske sassen.

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