Nach dem Gripen-Flop kommt jetzt der nächste Anlauf für neues Fluggerät: Für rund 250 Millionen Franken will das Verteidigungsdepartement (VBS) sechs unbewaffnete Aufklärungsdrohnen des Typs Hermes 900 des israelischen Herstellers Elbit Systems kaufen. Der Stückpreis beläuft sich somit auf gegen 42 Millionen Franken. Wie das VBS im Sommer schon mitteilte, soll die Beschaffung «voraussichtlich» Bestandteil des Rüstungsprogramms 2015 sein.

Stutzig macht wie schon beim Gripen der Preis des Deals. Denn zumindest eines der anderen Länder, die ebenfalls die Hermes 900 kaufen, zahlt offenbar bedeutend weniger für das Vehikel.

In Mexiko wurde letztes Jahr bekannt, dass der Staat für seine Bundespolizei ebenfalls zwei der Aufklärungsdrohnen kauft. Der 2011 vereinbarte Preis beträgt laut Dokumenten, die mexikanische Medien publizierten, insgesamt 48,5 Millionen US-Dollar. Das sind umgerechnet derzeit etwa 23 Millionen pro Stück. Also anscheinend ungefähr die Hälfte des Preises, den die Schweiz bezahlt.

Woher rührt der Preisunterschied? Von der Rüstungsbeschaffungsstelle der Armee, Armasuisse, ist keine Erklärung zu bekommen. «Ein Preisvergleich zwischen den von Mexiko und der Schweiz beschafften Aufklärungsdrohnen wäre nur bei identischem Beschaffungsumfang (Drohnen, Bodenkomponenten, Ausbildungsmittel, Logistikpaket etc.) möglich», erklärt Sprecher Kaj-Gunnar Sievert.

Pikant: Vom Hersteller der Hermes 900, der israelischen Elbit Systems, gibt es einen Link zum Gripen, der in der Schweiz in der Volksabstimmung scheiterte. Die brasilianische Firma AEL Sistemas, die zu Elbit gehört, soll die Avionik für den Gripen E liefern, den Brasilien bestellt hat und der grösstenteils in Brasilien gebaut wird.

Die Drohne hat auch sonst quasi Verbindungen zur Schweiz: Elbit Systems gehört der Familie des Milliardärs Michael Federmann, einem der reichsten Israelis, der unter anderem im Hotelgeschäft aktiv ist. Grossaktionär der Elbit ist neben der Federmann Enterprises Ltd. die von Federmann kontrollierte Aktiengesellschaft Heris in Tel Aviv. Eine Firma gleichen namens gibt es in Vaduz, Liechtenstein. In Zürich domiziliert ist die Heris Management AG, ehemals Heris Finanz AG. «Michael Federmann aus Herzlia (Israel)» selbst ist Verwaltungsrat der Zuger Beteiligungsgesellschaft Loreto AG, die bei einem Kanzleipartner von Alt-FDP-Präsident und Anwalt Rolf Schweiger domiziliert ist.

Federmann ging sogar, so berichtete die sächsische Zeitung «Freie Presse», in der Schweiz zur Schule. Federmann, dessen Familie vor den Nazis aus Deutschland flüchten musste und alles verlor, hat in den letzten Jahren in Sachsen investiert und gilt dort als «Retter der Super-Halbleiter».

Der Kauf der Drohne, die bewaffnet werden kann, und die Gegengeschäfte mit Israel werden im Schweizer Parlament viel zu reden geben: Das Hightech-Vehikel kam im letzten Gazakrieg zum Einsatz, was etwa Israel-Kritiker Daniel Vischer (Grüne/ZH) auf den Plan ruft. Er kritisierte in einer Fragestunde den «völkerrechtswidrigen Einsatz der fraglichen Drohnen im Gazakrieg gegen die Zivilbevölkerung». Der Bundesrat entgegnete, «dass die Schweiz keine Kampfdrohnen kaufen wird», sondern Aufklärungsdrohnen evaluiert habe.

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