Mehr als eine halbe Million Schweizerinnen und Schweizer fahren Mountainbike. Und geniessen so ein grosses Stück Freiheit in der Natur. Doch nicht immer läuft es rund. Eine Umfrage der «Schweiz am Sonntag» bei verschiedenen Kantonsspitälern zeigt, dass sich die Unfälle in einigen Regionen häufen.

Eine deutliche Zunahme verzeichnet das Spital Chur gegenüber dem Sommer des letzten Jahres. «Wir behandelten schätzungsweise 30 bis 40 Prozent mehr Bike-Unfallopfer», sagt Christoph Sommer, Chefarzt der Unfallchirurgie. 128 Patienten waren es insgesamt. Die Hälfte davon waren Downhill- und die andere Hälfte Crosscountry-Fahrer.

Die häufigsten Verletzungen sind leichte Hirnerschütterungen sowie Brüche des Schlüsselbeins und des Schulterblatts. Oft kommt es auch zu Rippen-Frakturen, kombiniert mit Lungenverletzungen. Meist stürzen Biker über den Lenker und versuchen sich mit den Händen aufzustützen. Deshalb sind auch Handgelenks- und Armbrüche sowie Wirbelbrüche häufig. Fast alle haben zudem multiple Prellungen und Schürfungen.

Das Spital Interlaken hat in diesem Sommer 42 Mountainbiker behandelt. Das sind fast so viele wie in der gesamten Vorjahressaison. «Erfahrungsgemäss wird allerdings der ‹goldene Herbst› nochmals einen Anstieg bringen», sagt Gregor Siegel, leitender Arzt Chirurgie.

Anders sieht hingegen die Situation in den Kantonsspitälern in Uri und Glarus aus. «Obwohl ich das Gefühl habe, dass mehr Biker unterwegs sind, hatten wir deutlich weniger Verunfallte bei uns auf der Notfallstation», sagt André Rotzer, Chefarzt Chirurgie im Spital Glarus. Ebenfalls stelle er fest, dass weniger Fahrer mit Kopfverletzungen eingeliefert würden. «Dies könnte mit der Helmtragquote zusammenhängen oder damit, dass geübte Fahrer bei einem Sturz sich zur Seite fallen lassen.»

Bike-Journalist Laurens van Rooijen überraschen diese regionalen Unterschiede nicht. «Wo es wie in Interlaken oder bei Chur kommerzielle Bike-Strecken gibt, steigt die Unfallhäufigkeit», sagt van Rooijen. Zum einen, weil dort Seilbahnen oder ein Zug die Biker hochbringen und damit die Anzahl Abfahrten insgesamt steigt – was zwangsläufig zu mehr Unfällen führt. «Zum andern gehen Biker, die eine Strecke x-mal fahren, eher an ihr Limit und eher einmal zu Boden.» Wer erstmals auf einer unbekannten Strecke unterwegs sei, fahre in der Regel vorsichtiger und nur so schnell, dass er auf Sichtabstand anhalten könne.

Die Unfallversicherung Suva registriert und anerkennt jährlich Tausende neue Mountainbike-Unfallopfer. Tendenz steigend. Gab es vor zehn Jahren noch 2761 Fälle, sind es 2012 schon 5620. Kostenpunkt: Rund 29 Millionen Franken pro Jahr. Die meisten Verunfallten waren Männer (85 Prozent) im Alter zwischen 30 und 59 Jahren.

Die Beratungsstelle für Unfallverhütung (bfu) hat deshalb einen Bike-Kodex herausgegeben: Trage Schutzausrüstung, schätze dein Können richtig ein, gewähre Wandernden den Vortritt und bleibe auf dem Trail.

Insgesamt gibt es heute 8000 Kilometer offiziell signalisierte Mountainbike-Routen in der Schweiz. Und das Mountainbiken wird zum Volkssport. Das stellen auch die Schweizer Tourismusorte fest. «Die Zahl nimmt in den letzten Jahren stetig zu», sagt Myriam Keller von Graubünden Tourismus. Sie seien mittlerweile ein fester Bestandteil im Gästemix und kaum mehr wegzudenken.

Und von Wallis Tourismus ist zu erfahren: Nicht ausschliesslich Sportfahrer, sondern auch Familien, junge Unabhängige sowie die Generation 50+ interessieren sich je länger, je mehr fürs Biken. Deshalb entstehen im Wallis nächstes Jahr rund 40 zusätzliche Bike-Wege, und einige Bergbahnen sowie die Postautos sind mittlerweile mit Veloträgern ausgestattet.

170 356 Mountainbikes gingen im Jahr 2013 über den Ladentisch. «Wegen des schlechten Juli dürfte es dieses Jahr schwierig werden, die Marke zu knacken», sagt Roland Fuchs von Velosuisse. Positiv könnte sich hingegen auswirken, dass immer mehr Frauen mountainbiken.

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