Vielleicht hatte sie auf der anderen Strassenseite etwas Spannendes gesehen. Vielleicht war sie deshalb einfach losgerannt. Oder hat der Fahrer des Lieferwagens das Kind auf dem Zebrastreifen einfach übersehen? Was genau am vergangenen Montagmittag im Zürcher Stadtteil Affoltern passiert ist, untersuchen derzeit die Spezialisten der Stadtpolizei.

Fest steht nur: Das zweijährige Mädchen war mit der Betreuerin ihrer Spielgruppe unterwegs, als das Unglück geschah. Drei weitere Kinder im Alter von zwei bis vier Jahren mussten zusehen, wie ihr Gschpänli unter die Räder des Lieferwagens geriet.

Noch ist nicht geklärt, wer Schuld an dem tragischen Unglück trägt. Doch er rückt eine Form der Fremdbetreuung von Kindern ins Licht, die sonst eher ein Schattendasein führt: In Spielgruppen sollen Kinder ab zwei Jahren spielend soziale Kompetenz erlernen – ein, zwei Vormittage in der Woche. Geleitet werden die Spielgruppen meist von Frauen, die selbst Mütter sind. Doch ob diese als Betreuerin überhaupt kompetent sind, bis zu zehn Kinder zu beaufsichtigen, kontrolliert niemand.

«Leider kann im Moment noch an vielen Orten jeder und jede einfach eine Spielgruppe eröffnen, ohne dass die Spielgruppe registriert werden muss. Es wird nicht kontrolliert, in welchen Räumlichkeiten die Spielgruppe stattfindet und auch nicht, ob die Leiterin eine Ausbildung hat.

Das muss sich ändern», sagt nun Anna Lustenberger vom Schweizerischen Spielgruppenleiterinnenverband (SSLV). Sie fordert mehr Kontrolle: «Wir setzen uns dafür ein, dass sich die Spielgruppenleiter bei der Gemeinde anmelden und bestimmte Kriterien erfüllen müssen. Dadurch entsteht eine Kontrolle und es wird ein bestimmtes Qualitätsniveau gewährleistet.» Bislang besteht nur in den Kantonen Freiburg und Wallis eine Registrierungspflicht für Spielgruppen.

Zudem fordert der Verband, dass Spielgruppen immer von zwei Personen geleitet werden. «Doch das ist oft eine finanzielle Frage, man will den Eltern nicht zu viel zumuten», sagt Anna Lustenberger. Sie will mehr Unterstützung von den Gemeinden. «Sie könnten helfen, indem sie Spielgruppen Räume zur Verfügung stellen.» Derzeit sammelt der Verband Unterschriften für eine entsprechende Petition. Sie soll Ende des Jahres in Bern eingereicht werden.

Unterstützung erhält der SSLV von SP-Nationalrätin Hildegard Fässler, Präsidentin des Vereins Kindertagesstätten der Schweiz (KiTaS). Sie befürwortet, dass sich Spielgruppen bei der zuständigen Gemeinde registrieren müssen. «Es ist gut, wenn man weiss, wo es welches Angebot gibt», so Fässler. «Gleichzeitig ist es aber wichtig, dass es ein so niederschwelliges Angebot wie die Spielgruppen gibt.»

Bis die Registrierungspflicht für Spielgruppen gesetzlich verankert ist, müssen die Eltern wie bisher zusätzlich wachsam sein. Bei der Wahl der richtigen Spielgruppe empfiehlt die IG Spielgruppe, auf folgende Kriterien zu achten:
Gruppengrösse maximal 10 Kinder,
Aus- und Weiterbildung der Leiterin,
Einbezug der Eltern,
Zweierleitung, zum Beispiel durch Mithilfe eines Elternteils oder einer Praktikantin.

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