Doch so schlimm wie befürchtet war der Sturm nicht. «Reine Panikmache», sagen deshalb Kritiker. So twitterte Wetterfrosch Jörg Kachelmann am Freitag: «Meteo Schweiz hat die ‹Wir werden alle sterben›-Stufe 4 ausgegeben? Oha, da darf man gespannt sein.» Und fügte später an: «Liebe Schweizer, es luftet recht und es kommt auch noch ein Gewitter, aber es gibt keinen Weltuntergang à la Meteo Schweiz, die Beamten spinnen.»

Im Nachhinein hätte auch die Stufe 3 gereicht, räumt Peter Binder von Meteo Schweiz ein, der mit seinem Team die Warnung veranlasste. Doch das habe am Freitag nach sorgfältiger Prüfung eben noch anders ausgesehen. Er erklärt die Abschwächung dadurch, dass aus Frankreich unerwartet kühlere Luft einströmte, was die Lage beruhigt habe. Und zum Twitterer meint er nur: «Das ist die prononcierte Ausdrucksweise von Herrn Kachelmann».

«Die Unwetterwarnung des Bundes war übertrieben», kritisiert auch Peter Wick von Meteonews. Von Anfang an sei klar gewesen, dass die Gewitterfront nie die Stufe 3 überschreitet, auch wenn das im Nachhinein immer einfach gesagt sei. Wick vermutet deshalb, dass es auch darum ging, das neue Warnsystem zu testen, das erst im Mai dieses Jahres eingeführt wurde.

«Die ganze Übung hatte Züge einer Mobilmachung», sagt er. Hinzu kommt, dass auch die Glaubwürdigkeit der gesamten Branche unter solch übertriebenen Sturmwarnungen leide.

Dass es sich nur um eine Übung gehandelt habe, weist Binder vehement zurück. Schliesslich generiert eine solche Warnung viel Aufmerksamkeit. Leichtsinnig verkünde Meteo Schweiz die Stufe 4 sicher nicht. Darin heisst es unter anderem, dass Aufenthalte im Wald, in der Nähe von Kreten, Bächen und steilen Hängen zu vermeiden seien.

SF Meteo rechnete am Freitag ebenfalls mit kräftigen Sturmböen. Dennoch wurde im 10-köpfigen Team eine mittlere Warnung empfohlen. Die Stufe 4 komme wahrscheinlich nur ein- bis zweimal im Jahr vor, sagt Prognostiker und Moderator Thomas Kleiber. «Ein Fehlalarm war es aber nicht. Die Wetterlage hatte das Potenzial, ein aussergewöhnlicher Sturm zu werden.» Dennoch müsse sich Meteo Schweiz künftig zweimal überlegen, bevor landesweit gewarnt wird. Sich jetzt aber das Maul über die Fehlprognose zu zerreissen, sei zu einfach. Was Kleiber aber stört, ist die mangelnde Kommunikation zwischen den Wetterdiensten. «Wir sollten uns besser absprechen, bevor eine landesweite Warnung herausgeht.» Denn SF Meteo mahnte am Freitagabend nach der «Tagesschau» nicht vor einem Mega-Sturm. «Das verwirrt die Leute natürlich», sagt Kleiber.

Stufe 4 auszurufen, wurde im Team entschieden, sagt Binder. Verschiedene Meinungen seien also bereits berücksichtigt worden. Dennoch ginge es nun darum, alles zu analysieren und gegebenenfalls Anpassungen vorzunehmen. Im Grundsatz stellt Binder das Warnsystem aber nicht infrage. Positiv sei, dass die Verbreitung durch die Medien gut geklappt habe.

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