Die Schweiz droht einen ihrer besten Steuerzahler zu verlieren: Rohstoffhändler Marc Rich hat seine prachtvolle Villa «Rose» im luzernischen Steuerparadies Meggen verkauft. Zum stolzen Preis von 50 bis 60 Millionen Franken, wie aus seinem Umfeld verlautet. Der 77-Jährige sei mit dem erzielten Verkaufspreis jedoch nicht zufrieden: Mitsamt den Kunstinstallationen auf dem Gut habe er auf gegen 100 Millionen Erlös gehofft, heisst es.

In der Gemeinde Meggen ist man sich sicher: Marc Rich hat Reissaus nach London genommen, wo das Erbrecht vorteilhafter ist als in der Schweiz. Diese Spekulationen gibt es schon länger. Vor fast zwei Jahren berichtete die «Handelszeitung», dass die Anwälte des Milliardärs in London nach geeigneten Möglichkeiten Ausschau hielten. Denn das Erbrecht sei in Grossbritannien liberaler ausgestaltet. Diese Pläne könnten nun mit dem Verkauf der Villa umgesetzt worden sein.

Marc Rich, der sich selten in der Öffentlichkeit zeigt, besuchte am Freitagabend ein Beethoven- und Bruckner-Konzert im Luzerner KKL. «Der Sonntag» fragte ihn, ob er bereits nach London gezogen sei. «Nein, ich bleibe in der Schweiz», dementierte er die Gerüchte.

Das mag stimmen, ist aber vielleicht nur ein Teil der Wahrheit. Denn Rich hatte schon bislang mehrere Domizile, nebst Meggen und London auch in St. Moritz und im spanischen Marbella. Doch die Steuern hat er in Meggen bezahlt. Die Frage ist nun, wohin er seinen neuen Lebensmittelpunkt verlegt – denn der ist massgebend für die Steuerpflicht.

Einiges spricht für London. Denn seine zwei Töchter leben in der Metropole, und auch Richs Freundin, eine Schauspielerin aus New York, soll sich in London viel wohler fühlen als in der beschaulichen Schweiz. «Die Frauen versuchen Marc Rich zu überzeugen, dass London doch auch für ihn die beste Lösung sei», sagt ein Vertrauter aus dem Rich-Umfeld.

Marc Richs Vermögen wird von der «Bilanz» auf rund 1 Milliarde Franken geschätzt. Der gesundheitlich angeschlagene Unternehmer hat die operative Leitung vor gut zwei Jahren der HSG-Absolventin Kathrin Genovese übergeben, die Firmenstruktur wurde vereinfacht.

«Das macht später die Übergabe der Firma an meine Töchter leichter», begründete Marc Rich die Umstrukturierung damals in der «Weltwoche». Er selber werde sich nie ganz aus dem Unternehmen zurückziehen, solange er lebe: «My business is my life», sagte er in dem Interview.

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