Daniel H. wird nicht lebenslang verwahrt. Der heute 30-jährige Mörder des Au-pair-Mädchens Lucie Trezzini hat am Donnerstag vom Bundesgericht neben einer lebenslänglichen Freiheitsstrafe «nur» eine ordentliche Verwahrung erhalten. Ausschlaggebend für diesen Entscheid waren die beiden psychiatrischen Gutachten der Forensiker Volker Dittmann und Thomas Knecht.

Zwar betonten beide die Gefährlichkeit von Daniel H., doch sie stuften ihn nicht als «dauerhaft nicht therapierbar» ein. «Anhand der heutigen wissenschaftlichen Erkenntnisse können wir keine Prognose bis ans Lebensende stellen», sagt Knecht. Die Gefährlichkeit eines Gewalttäters lasse sich auf maximal 20 Jahre hinaus feststellen. Alles andere sei «reine Spekulation», da Langzeitstudien noch fehlen würden.

Auf diesen Fakt stützte das Bundesgericht seinen Entscheid ab. Weil sich eine lebenslängliche Nichttherapierbarkeit nicht feststellen lasse, sei eine lebenslange Verwahrung bei einem so jungen Täter wie Daniel H. gar nicht anwendbar. Gutachter Knecht kann diese Auslegung nachvollziehen, sagt aber auch, dass das Bundesgericht eine lebenslange Verwahrung hätte aussprechen können – so wie es das Aargauer Obergericht tat. «Auch wenn wir heute den Richtern kein so präzises Gutachten liefern können, muss dies ein Richter nicht zwingend von einem Verwahrungsurteil abhalten, da das Prinzip der freien Beweiswürdigung gilt.» Das bedeutet, dass sich der Richter nicht präzise an den Wortlaut des Gutachtens halten muss.

Nach dem Bundesgerichtsurteil besteht die Chance, dass Daniel H. irgendwann wieder freikommt. Denn bei der ordentlichen Verwahrung kann der Täter mindestens einmal im Jahr die bedingte Entlassung beantragen. «Es besteht die Gefahr, dass ein Gutachter schwach wird und Daniel H., wenn er sich bewährt hat, freilässt», sagt Knecht. Nicht alle Gutachter würden gleich streng beurteilen.

Genau das befürchten die Eltern des ermordeten Mädchens und weitgehend auch die Öffentlichkeit. Trotzdem stützt der ehemalige Bundesrichter Martin Schubarth das Urteil. «Ich finde das Urteil überzeugend begründet», sagt er. Die fünf Richter hätten sich die Arbeit nicht leicht gemacht, gerade weil es der erste Entscheid zur lebenslangen Verwahrung gewesen sei. Der ehemalige Bundesrichter ist zudem überzeugt: «Auch bei einer ordentlichen Verwahrung kommt ein Täter nur dann in Freiheit, wenn er nicht mehr gefährlich ist.»

Eines Tages müsse aber wohl der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte über die lebenslange Verwahrung verhandeln müssen. Wie dort entschieden werde, darüber wagt Schubart keine Prognose.

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