Auf dem Spielfeld ist die Saison für die ZSC Lions vorbei. Auf dem politischen Parkett kämpft der Klub mit Europas grösster Nachwuchsabteilung weiter – für das Stadion mit 11 600 Plätzen in Altstetten. Das 169-Millionen-Projekt befindet sich in der Nachspielzeit: Der Zürcher Stadtrat unterstützt es, doch im Gemeinderat (Stadtparlament) regt sich Widerstand von links, was zu Verzögerungen führt. In gut einem Monat sollen dort die Würfel endlich fallen.

Für die ZSC Lions ist das neue Stadion existenziell: «Kommt das Stadion nicht, sind die ZSC Lions in ihrer heutigen Form nicht mehr finanzierbar», sagt Peter Spuhler (57), Unternehmer und ZSC-Vizepräsident. Denn die Konditionen in der heutigen Heimstätte, im Hallenstadion in Oerlikon, sind derart ungünstig, dass ein jährliches Defizit von 4 bis 7 Millionen Franken resultiert. Noch deckt ZSC-Präsident Walter Frey (72) die Verluste. Doch was ist nach seiner Ära?

Einmal mehr hat sich am Donnerstag die zuständige Kommission des Gemeinderats (SKFD) mit dem Stadion befasst. «Wieder wurde kein Entscheid gefällt», ärgert sich ein Gemeinderat. «Wir hätten das Geschäft schon lange ans Parlament überweisen können, aber immer wieder kommen von rot-grüner Seite neue Störmanöver.»

Knackpunkt ist weniger der Kredit von 120 Millionen Franken für den Bau des Stadions. Von den meisten Politikern wird anerkannt, dass sich auch die Privaten einbringen: Walter Frey, Peter Spuhler und die Swiss Life von Rolf Dörig investieren je 12 Millionen Franken. Nein, was am meisten zu reden gibt, ist der jährliche Beitrag von 2 Millionen Franken, den die Stadt an die Betriebskosten der Arena zahlen soll. Staatsgeld für ein privates Projekt? Peter Spuhler sagt dazu: «Der jährliche Zuschuss rührt daher, dass wir in Altstetten eine massive Einschränkung von Veranstaltungen haben, die das Hallenstadion konkurrenzieren könnten: Wir dürfen beispielsweise keine Konzerte und andere lukrative Events durchführen.» Dafür sollen die Stadionbetreiber abgegolten werden. Ursprünglich sprach der frühere FDP-Finanzvorstand Martin Vollenwyder von 5,4 Millionen Franken pro Jahr. Einigen Linken sind aber auch die nun vorgesehenen 2 Millionen ein Dorn im Auge.

Die SP – klar die grösste Fraktion – argwöhnt, damit würden die privaten Betreiber des Stadions am Ende noch Gewinne erzielen. Dass es sich dabei auch um vermögende Ex-SVP-Politiker handelt (Walter Frey, Peter Spuhler), führe bei einigen Sozialdemokraten und Grünen «zu Hautausschlägen», wie sich ein Gemeinderat ausdrückt. SP-Vertreter wollen den Investoren darum Vorschriften machen, wie sie allfällige Gewinne zu verwenden hätten: nämlich für eine schnellere Amortisation des Darlehens beziehungsweise für die Nachwuchsförderung. Doch ob die SP den Vorschlag wirklich durchboxt, ist unklar: Die Partei, die viele ZSC-Fans in ihren Reihen hat, will nicht als Totengräberin des Stadions in die Geschichte eingehen. Und die Investoren haben gegenüber der Gemeinderatskommission signalisiert, dass sie keine weiteren Konzessionen mehr zu machen bereit sind, sondern das Projekt abbrechen würden. Ein einflussreicher SP-Gemeinderat sagt: «Die SP anerkennt das Bedürfnis nach einem neuen Stadion. Uns geht es einfach darum, dass wir ein gutes Paket bekommen, das nicht zulasten der künftigen Generationen geht.»

In dieser Situation kommen die Grünliberalen mit einem Kompromissvorschlag: Die GLP will die 2-Millionen-Zahlungen auf 20 Jahre befristen. Im vom Stadtrat ausgehandelten Vertrag sind 65 Jahre vorgesehen (gleich lange, wie der Kredit läuft). GLP-Gemeinderat und Kommissionsmitglied Adrian Gautschi will den Vorstoss mit Verweis auf das Kommissionsgeheimnis nicht kommentieren. Doch in der GLP ist die Stimmung tendenziell stadionfreundlich – offenbar macht sich auch der grünliberale Gemeinderatspräsident Matthias Wiesmann für das Projekt stark. FDP, SVP und CVP sind ohnehin für das Stadion.

Die Kommission hat nun die ZSC-Verantwortlichen zu einem Gespräch am 7. April aufgeboten. Einigt man sich auf die neue Befristung, wäre das «ein Durchbruch», heisst es aus der Kommission. Aber bieten die ZSC-Lions-Investoren Hand zu 20 statt 65 Jahren? ZSC-CEO Peter Zahner will sich dazu nicht äussern. Klar ist: Die Kompromissbereitschaft der Investoren ist nach diversen Zugeständnissen in den letzten Monaten klein geworden.

Kommissionspräsident Davy Graf (SP) sagt dazu nur: «Wir beraten dieses Geschäft auf Hochtouren, es ist sehr wichtig.» Voraussichtlich in rund einem Monat komme es in den Gemeinderat. Stimmt er zu, gibts eine Volksabstimmung: «Ziel ist, dass sie im Herbst stattfindet.» Die ZSC Lions könnten erstmals 2022 in der neuen Arena spielen.

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