Als wäre der starke Franken nicht genug, belastet nun auch noch eine Wärmeperiode die Wintersaison. Weisse Weihnachten bleibt nicht nur im Flachland ein Traum, sondern auch in den meisten Bergtälern. Touristiker befürchten für die anlaufende Saison das Schlimmste. Das Problem werde auch volkswirtschaftlich unterschätzt, sagt Adolf Ogi, ehemaliger Bundesrat und langjähriger Skiverbandsdirektor: «Der Tourismus ist die dritt- oder viertwichtigste Wirtschaftsbranche der Schweiz. Der Rückgang bei den Gästezahlen ist dramatisch. Man hat den Ernst der Lage noch nicht erkannt!», sagt er.

Ogi schlägt einen «nationalen Schulterschluss» vor: «Alle Akteure sollen jetzt gemeinsam Ideen sammeln, wie wir aus der Krise kommen – die Bergbahnen, die SBB, Privatbahnen, Hoteliers, die Sportartikelbranche, Schneesportschulen, Verbände, Magglingen, Gemeinden, Kantone und Bund», fordert er. «Gefragt sind alle, die Ideen, Meinungen und – auch verrückte – Visionen haben.» Die Federführung dieser Gross-Konferenz müsste Schweiz Tourismus übernehmen. Ogi: «Wir müssen endlich aus den verkrusteten Formen herauskommen.»

Auch die Medien sieht Ogi in der Pflicht: «Vor allem das Staatsfernsehen», sagt der frühere Medienminister. «Es gibt eine regelmässige Börsensendung vor der ‹Tagesschau›, es gibt neuerdings ein «Auslandjournal» – warum aber nicht ein regelmässiges Sendegefäss mit Tourismus-Themen?», fragt er. In den «nationalen Schulterschluss», so Ogi, müssten aber auch die privaten Verleger eingebunden werden. Am Ende sei entscheidend, «dass die Schweizer Jugend wieder Ski fährt und das Material dafür bekommt».

In den Bergregionen wird das zu Ende gehende Jahr als rabenschwarzes in die Geschichte eingehen. In den ersten zehn Monaten 2015 sank die Zahl der Logiernächte in Graubünden gegenüber dem Vorjahr um sechs Prozent, seit 2010 ist fast jede fünfte Übernachtung verloren gegangen. Nur der guten Entwicklung der Städte Zürich und Luzern ist es zu verdanken, dass die nationale Gesamtbilanz ein kleineres Minus vorweist. Doch selbst in den Städten mehren sich die Warnsignale.

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