Es läuft nicht immer rund im Kreisverkehr. Neuste Zahlen der Beratungsstelle für Unfallverhütung (BfU) zeigen: Vergangenes Jahr verletzten sich 141 Verkehrsteilnehmer schwer. Die meisten waren Velo- oder Motorradfahrer. Drei Menschen starben. Erst vergangene Woche kam es in Münchenstein BL zu einem tödlichen Kreisel-Unfall. Ein 91-jähriger Pw-Lenker übersah einen Elektrovelo-Fahrer (77) und erfasste ihn seitlich. Der Mann auf dem Velo stürzte und starb noch auf der Unfallstelle an seinen Verletzungen.

Als der Kreisel hierzulande ab den 90er-Jahren die Kreuzung zu verdrängen begann, wurde er als die Lösung im Strassenverkehr gepriesen: guter Verkehrsfluss und bessere Sicherheit. Doch trifft dies tatsächlich zu? Ja, sagt Andy Heller, Ingenieur vom Tiefbauamt Thurgau. «Unsere Unfallstatistik zeigt, dass der Kreisel eine sehr effiziente Kreuzungsform ist, um Kollisionen markant zu senken», sagt Heller.

Das Amt untersuchte rund ein Dutzend Kreuzungen, die zu Kreiseln umgebaut wurden. Das Fazit: Im Durchschnitt haben die Unfallzahlen um 60 Prozent abgenommen. Trotz dieser erfreulichen Entwicklung zeigt die BfU-Statistik aber, dass die Zahl der Schwerverletzten nach Kreiselunfällen in den letzten 20 Jahren um rund 100 zugenommen hat. Das BfU sowie die Tiefbauämter begründen dies hauptsächlich mit der Zunahme der Anzahl Kreisel. So gibt es heute im Kanton Thurgau 102 Kreisel, 1990 waren es erst drei. Im Kanton Aargau sind es heute 158 gegenüber 9 vor etwas mehr als zehn Jahren.

Ein Teil der Unfälle ist auch darauf zurückzuführen, dass einige Velo- und auch Motorradfahrer nicht wissen, wie sie im Kreiselverkehr fahren müssen. «Viele Velofahrer fühlen sich nicht wohl dabei, vor dem Kreisel in die Fahrbahnmitte einzuspuren und sich so quasi zwischen den motorisierten Verkehr zu begeben – auch wenn dies das korrekte Verhalten ist», sagt Daniel Schwerzmann, Leiter Verkehrsmanagement des Kantons Aargau.

Dieses Problem beobachtet auch die Stiftung Roadcross Schweiz. «Da es Kreisel erst seit rund 20 Jahren gibt, haben ältere Verkehrsteilnehmer das korrekte Verhalten im Kreisverkehr möglicherweise nie gelernt», sagt Stefan Krähenbühl von Roadcross. Das könne zu Unsicherheiten führen.

Verschärfend kommt hinzu, dass gerade diese unsicheren Personen immer häufiger mit schnellen Elektrovelos unterwegs sind. Für Roadcross braucht es deshalb mehr Aufklärung. «Es ist wichtig, allen Verkehrsteilnehmenden die grundlegenden Verhaltensweisen wie Vorsicht, Rücksichtnahme und Respekt in Erinnerung zu rufen», sagt Krähenbühl.

Fest steht aber: Einspurige Kreisel sind die sicherere Lösung als Kreuzungen – sofern sie auch richtig gebaut sind. So sollten Kreisel in der Mitte immer Kunstwerke oder Blumenrabatten haben, welche eine Durchsicht verhindern. «Sehen Lenker nicht über den Kreisel hinaus, fahren alle Teilnehmer langsamer und vorsichtiger», sagt Schwerzmann. Und das sei das Wesentliche, um Unfällen vorzubeugen.

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