Die bevorstehende Volksabstimmung über die Einheitskasse sorgt bei vielen Akteuren des Gesundheitswesens für Nervosität – besonders bei den rund 60 privaten Kassen, die heute in der Grundversicherung tätig sind. Die Kampagne gegen die Initiative überlassen die Kassen den Branchenverbänden, nicht zuletzt, weil ihnen der Bund «politische Propaganda» untersagt hat.

Und doch versuchen manche Versicherer, Einfluss zu nehmen: zum Beispiel über ihre Mitarbeitenden. Eine der grösseren Kassen, die Sanitas, hat gemäss Recherchen bereits Anfang Jahr alle 900 Angestellten an den verschiedenen Firmenstandorten zu einer Schulung aufgeboten, um sie mit Argumenten gegen die Initiative zu versorgen. Auf Anfrage bestätigt Sanitas die «Kurzschulung» mit der Begründung: «Wenn unsere Mitarbeitenden von Kunden nach der Abstimmung über die Einheitskasse gefragt werden, sollen sie diese Fragen sachgerecht beantworten können.»

Auch ein detailliertes Argumentarium stellt ihnen die Geschäftsleitung bereit, in dem «adäquate Antworten» auf die «häufigsten Fragen» zur Einheitskasse aufgelistet werden. Die Behauptungen der Initianten Punkt für Punkt bestritten.

Ein Argument im Abstimmungskampf sind auch die Folgen einer Annahme der Initiative für die Mitarbeiter der Versicherungen. Zwar gehen weder Initianten noch Gegner davon aus, dass es bei einem Systemwechsel zu einem Stellenabbau käme. «Es ist nicht die Idee, Einsparungen über Personalabbau zu erzielen», sagt SP-Nationalrat Jean-François Steiert, der Mitglied des Initiativkomitees ist. «Einen Abbau wird es nur im obersten Kader geben.» Eine Annahme der Initiative hätte allerdings durchaus Folgen für zahlreiche Mitarbeitende. Würde das heutige Mehrkassensystem durch eine einzige öffentliche Organisation mit 26 kantonalen Agenturen ersetzt, müssten gemäss einer Studie im Auftrag der Alliance Santé 5000 der heute 12 500 Versicherungsangestellten den Kanton wechseln, weil sich das Personal wohl nach der jeweiligen Bevölkerungszahl der Kantone richten würde.

Am meisten Stellen verlieren würden demnach die Kantone Zürich (817), Luzern (728) und Wallis (420) – dort, wo mehrere Krankenversicherungen heute ihre Hauptsitze haben.

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