Wie soll eine Alternativ-Lösung zur geplanten zweiten Röhre des Gotthard-Strassentunnels aussehen? In ihrem neuen Video «2. Gotthardröhre ist gefährlich» spricht die Alpen-Initiative Klartext. Sie sieht eine Alternative vor, die aus drei Elementen besteht. Die ersten beiden hat auch der Bundesrat selbst geprüft: Erstens die zwei sogenannten kurzen rollenden Landstrassen (Kurzrola), die den Lastwagenverkehr aus dem Inland zwischen Erstfeld und Biasca abwickeln sollen. Und zweitens der Autoverlad zwischen Göschenen und Airolo im Winter.

Neu ist das dritte Element: eine lange rollende Langstrasse (Langrola) zwischen Basel und Chiasso für die Transitlastwagen. «820000 Lastwagen fahren derzeit jährlich durch den Gotthard-Strassentunnel», heisst es im Film. «Mit dem neuen Neat-Basistunnel können bis zu einer Million verladen werden. Es bestehen also sogar noch Kapazitätsreserven.» Die Alpen-Initianten wollen die Sanierung des Gotthard-Strassentunnels nutzen. Das bestätigt Jon Pult, Präsident der Alpen-Initiative und Präsident der SP Graubünden. «Die Sanierung ist eine Chance, um die Verlagerung des Güterverkehrs von der Strasse auf die Schiene voranzubringen und das verfassungsmässige Ziel von nicht mehr als 650 000 Transitlastwagen zu erreichen», sagt er. «2022 ist die Infrastruktur der Neat inklusive Ceneri-Tunnel und 4-Meter-Korridor sicher fertiggebaut. Von den Kapazitäten her ist es dann kein Problem mehr, das Verlagerungsziel – so wie vom Volk gewollt – zu erfüllen.»

Die neuen Ideen der Alpen-Initianten stossen dem Schweizerischen Gewerbeverband sauer auf. Er führt die Kampagne für die zweite Röhre. «Bisher propagierte die Alpen-Initiative die Kurzrola als Alternative zur zweiten Röhre», sagt Direktor Hans-Ulrich Bigler. «Davon kommt sie nun ab. Das ist eine Bankrotterklärung für ihre bisherigen Ideen, die man im Parlament noch durch alle Böden zu verteidigen versuchte.» Zudem sei das eine «Extremforderung», die jeglicher Grundlage entbehre. Für Bigler ist das «ein Blindflug ohne verlässliche Kalkulationen». Die Alpen-Initiative wolle neben den vier Verladestationen für die Kurzrola Erstfeld–Biasca und für Personenwagen zwischen Göschenen und Airolo zwei weitere Stationen – für eine Langrola zwischen Basel und Chiasso. «Diese geplanten neuen Ausbauten sind ein Fass ohne Boden, nicht finanzierbar», sagt Bigler. «Die sechs Verladestationen wären teurer als die zweite Gotthard-Röhre. Sie kosten über 3 Milliarden.» Schon mit der Kurzrola müsse man je nach Sanierungsdauer mit über 2 Milliarden Gesamtkosten rechnen. Zudem fehlten sowohl in Basel wie in Chiasso die Flächen, auf denen die Stationen gebaut werden könnten, moniert Bigler.

Ganz anders beurteilt man die Kosten bei der Alpen-Initiative. «Die Variante mit Lang- und Kurzrola ist mit rund 1,3 Milliarden viel billiger als der Bau einer zweiten Röhre», sagt Manuel Herrmann, Leiter Alpenschutzpolitik der Alpen-Initiative. «Deren Bau und Unterhalt kostet langfristig bis 4,4 Milliarden.»

Nicht nur Gewerbeverband und Alpen-Initiative kämpfen um den Gotthard. Schon am Donnerstag melden sich neue Players zu Wort. Die Ingenieure Jost Wichser und Ruedi Sturzenegger stellen im Rahmen des Kaderverbands des öffentlichen Verkehrs ihre Alternative zu einer zweiten Röhre vor. Sie besteht aus einem Konzept, das internationalen Transit-, nationalen Transit- und Personenverkehr umfasst.

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