Die Hetzlieder der Neonazi-Band «Mordkommando» sind von Youtube verschwunden, kurz nachdem die «Schweiz am Sonntag» sie letzten Sonntag thematisiert hatte. Nach wie vor geistern die Lieder aber durchs Netz. Etwa auf der russischen Facebook-Version «VKontakte». Dort ist auch das Album «Schwarze Liste» mit Liedern wie «Bomben auf Wiedikon» immer noch abrufbar.

Es ist eine Ansammlung von rassistischen und antisemitschen Drohgesängen und extremen Gewaltfantasien. So wurde der Zürcher Stadtpräsidentin Corine Mauch ein Lied gewidmet, in dem ihr gewaltsamer Tod beschrieben wird. Ähnliche Gewaltfantasien richten sich gegen den Präsidenten des Israelitischen Gemeindebunds (SIG), Herbert Winter. Der SIG hat inzwischen Anzeige gegen unbekannt erstattet. Auch Corine Mauch prüft zur zeit rechtliche Schritte, wie der «Tages-Anzeiger» schrieb.

Aeschbacher will Strafverfolgung
Recherchen der «Schweiz am Sonntag» zeigen nun, dass auch andere Betroffene sich wehren. Sänger Michael von der Heide sagt auf Anfrage: «Auch ich prüfe rechtliche Schritte.» Der SRF-Moderator Kurt Aeschbacher ist ebenfalls an einer gerichtlichen Verfolgung der Band interessiert. Er geht aber davon aus, dass es um Offizialdelikte gehe, die Staatsanwaltschaft also von sich aus tätig werde. Aeschbacher und von der Heide hatten als bekennende Homosexuelle den Hass der Neonazis auf sich gezogen.

Wer hinter der Band «Mordkommando» steht, ist weiterhin unklar. Von Beobachtern der Szene war Kevin G. als Beteiligter ins Spiel gebracht worden. Er ist wegen ähnlicher Hasslieder seiner Band Amok bereits verurteilt worden. Der in Hombrechtikon wohnhafte Metzger wies diesen Verdacht gegenüber dem «Tages-Anzeiger» zurück. Er habe die Band Amok «schon vor vielen Monaten verlassen» und mache «auch sonst keine Musik mehr». Allerdings sind die Lieder von «Mordkommando» ebenfalls schon viele Monate alt. Sie erschienen bereits im Jahr 2014. Zu seiner Einstellung befragt, wich Kevin G. aus: «Wenn es heute als rechtsradikal gilt, dass man sein Heimatland liebt und sich Sorgen betreffend Masseneinwanderung, Asylpolitik und Ausländerkriminalität macht. Ja, dann gelte ich in den Medien wohl als rechtsradikal.»

Die Lieder von «Mordkommando» waren im Nachgang des Neonazikonzerts in Unterwasser SG bekannt geworden. Am Konzert war die CD einer Band mit dem Namen «Erschiessungskommando» in Umlauf gebracht worden, die Mordfantasien gegen die Deutsche Linke-Politikerin Katharina König enthielt. «Erschiessungskommando» könnte eine Nachfolgeband von «Mordkommando» sein.

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