Den Landeskirchen gehen die Mitglieder aus – und damit auch die Einnahmen aus den Kirchensteuern. Um aus den roten Zahlen zu gelangen, setzen nun viele Kirchgemeinden auf ihre Liegenschaften: Findige Kirchenmanager machen aus den Immobilien Geld. Besonders in den Städten und Agglomerationen, wo der Wohnraum knapp ist und Liegenschaften an zentraler Lage gefragt sind, stehen die Chancen auf neue Einnahmequellen gut.

Beispiel Basel: Hier ist die reformierte Kirche seit einigen Jahren daran, ihr Immobilienportfolio verstärkt nach wirtschaftlichen Kriterien zu verwalten. Renovationsbedürftige Liegenschaften wurden abgestossen, zwei Pfarrhäuser zu Wohnhäusern für Familien umgebaut. Das schlägt sich in der strapazierten Kasse nieder: nicht nur durch einmalige Verkaufserlöse, sondern vor allem durch wiederkehrende Einnahmen aus Mieten. Diese belaufen sich auf 700 000 Franken pro Jahr, sagt Kirchenrat Stephan Maurer. Nun planen die Reformierten den nächsten Schritt: Die Basler Markus-Kirche, die nicht denkmalgeschützt ist, soll bald abgerissen und durch zwanzig Wohnungen für Senioren und Behinderte ersetzt werden.

In manchen Ländern geht man noch weiter. Dort werden Kirchen und Klöster zu Restaurants, Hotels und sogar zu Einkaufsläden umfunktioniert – so wie im schottischen Tobermory, wo die Supermarktkette Spar in eine frühere Kirche einzog. Und in Portugal sind ehemalige Klöster («Pousadas») heute fester Bestandteil der Hotellerie.

In der Schweiz sind abgerissene oder zweckentfremdete Kirchen hingegen noch die Ausnahme, da sie meist unter Denkmalschutz stehen. Im Fokus für Umnutzungen stehen deshalb Gebäude wie Kirchgemeindezentren und Pfarrhäuser, die längst nicht mehr so intensiv gebraucht werden wie früher.

«Fast jede Agglomerationsgemeinde hat ein bis zwei Kirchgebäude, die sich theoretisch wirtschaftlich nutzen lassen», sagt Architekt Stefan Meier. Er hat für die Immobilienfirma Wüest & Partner erstmals den Wert kirchlicher Liegenschaften untersucht. Das Fazit: Die Schweizer Kirchgemeinden verfügen über millionenschwere Immobilienportfolios, deren Wert sie noch gar nicht erkannt haben. Obwohl sich das Potenzial nicht exakt beziffern lässt, könnten die Kirchgemeinden laut Meier ihre Bilanzen deutlich aufbessern, wenn sie ihre Bauten besser bewirtschafteten.

In Zürich haben Stadtverwaltung, Katholiken und Reformierte kürzlich 91 Kirchenbauten analysiert. «Die Kirchen müssten Gesamtstrategien für die Nutzung ihrer Gebäude entwickeln», sagt Architekt Daniel Kündig, der die Untersuchung leitete. Er warnt aber auch: Die Kirchen dürften nicht in Aktivismus verfallen und ihr Tafelsilber verscherbeln, sondern mit einem professionellen Liegenschaftsmanagement arbeiten.

Erste Schritte in diese Richtung hat die reformierte Kirche in Baden unternommen. Sie hat einen Teil ihres Landes verkauft, um gemeinsam mit der Katholischen Kirchgemeinde und der Stiftung Zeka das «Wohnhaus Aargau» für Behinderte zu bauen. Darin steht auch ein ökumenischer Liturgieraum, der Reformierten wie Katholiken als günstiger Kirchenersatz dient. Trotzdem müssen die Reformierten weiter sparen: «Wir sind nicht auf Rosen gebettet», sagt Kirchenratspräsident Daniel Strebel. «Wir müssen uns daher über weitere Umnutzungen Gedanken machen.»

Ein Problem ist dabei für die Kirchenverwalter, dass der Verkauf oder Umbau von traditionellen Gebäuden oft grossen Widerstand in den Gemeinden hervorruft – es sind Emotionen im Spiel. Strebel sagt: «Es ist wie mit dem Verkauf des eigenen Elternhauses. Das kann man auch nicht einfach ökonomisch nüchtern betrachten.»

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