Reichen Kindersegen konnten dieses Jahr Schweizer Wiegen verzeichnen. In einigen Spitälern kam es sogar zu neuen Rekorden. So meldet etwa das Berner Inselspital zwischen Januar und Mitte Dezember 1424 Neugeborene, so viele wie seit 33 Jahren nicht mehr. Aber auch in anderen Spitälern kamen mehr Kinder zur Welt als 2013. So beispielsweise in den Solothurner Spitälern, wo 99 Babys mehr das Licht der Welt erblickten. Im Kantonsspital Baden wurden 34 und im Kantonsspital Graubünden 32 mehr Neugeborene gezählt.

Und am Universitätsspital Zürich waren bereits Mitte Dezember vier Prozent mehr Kinder geboren als im gesamten letzten Jahr. «Vergleichbare Zunahmen beobachten wir seit einigen Jahren», sagt Roland Zimmermann, Direktor der Geburtenklinik am Unispital. «Ich würde gerne bestätigen, dass dies auf Schweizerinnen zurückzuführen ist, die wieder früher und mehr Kinder haben. Doch dem ist nicht so», sagt er.

Der Altersdurchschnitt der Mütter steigt und steigt. 31,6 Jahre beträgt er mittlerweile. Parallel mit dem Alter nimmt auch das Phänomen der Mehrlingsgeburten zu. So ist von Martin Jordan, Mediensprecher des Universitätsspitals Basel, zu erfahren: «Wir verzeichneten erneut mehr Zwillings- und Drillingsgeburten». 81-mal Zwillinge und fünfmal Drillinge kamen dort bis Mitte Dezember auf die Welt. Der Anstieg hängt auch mit der Zahl künstlicher Befruchtungen zusammen, die bei Frauen über 35 deutlich zunehmen.

Die Mehrlingsgeburten tragen aber nur bis zu einem gewissen Teil zum aktuellen Babyboom bei. Ein weiterer Grund ist in der Veränderung der Gesellschaft zu suchen. «Familie und Kinder werden für junge Menschen wieder wichtiger», sagt Jordan. Und auch Frauen, die in den Siebzigerjahren geboren wurden, dürften zum Trend beitragen. Sie bekommen durchschnittlich mehr Kinder. Das haben Rostocker Wissenschaftler herausgefunden. Im Wissenschaftsmagazin «Population and Development Review» sagen sie: «Mit den Frauen, die in den Siebzigerjahren geboren wurden, steigt die durchschnittliche Kinderzahl in den meisten industrialisierten Ländern wieder.»

Nichtsdestotrotz ist der Leiter der Geburtenklinik des Universitätsspitals Zürich besorgt. «Eine wachsende Zahl an Frauen plant eine Schwangerschaft erst im fortgeschrittenen Alter», sagt Roland Zimmermann. Dadurch würden auch die Komplikationen und Probleme, die bei guter Planung hätten verhindert werden können, steigen.

Deshalb hat die Geburtenklinik einen neuen Ratgeber zur Kinderplanung herausgebracht. Die Botschaft: Frauen sollen noch vor dem 32. Altersjahr schwanger werden. Alles danach gilt als Risikoschwangerschaft. «Auch Sportler haben ihr Leistungsoptimum zwischen 20 und 32. Es gibt also keinen Grund anzunehmen, dass das im Zusammenhang mit einer Schwangerschaft anders sein soll.»

Besonders gut ausgebildete Frauen haben immer später Kinder. «Die Broschüre soll ihnen Mut geben und die Angst vor einem Gespräch über Babypläne mit dem Arbeitgeber nehmen», sagt der Gynäkologe. Dass Karriere und Familie möglich sind, beweist Zimmermann mit seinem Team. 85 Prozent seiner Ärzte sind Frauen, die meisten Mütter. «Das macht mich stolz, auch wenn die Planung nicht immer einfach ist.» Und er appelliert an die Arbeitgeber: «Hier muss ein Gesinnungswandel stattfinden.» Wer seine Mitarbeiterinnen nicht in die langfristige Karriereplanung einbeziehe, verliere langfristig zu viel Know-how.

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