Burnout, Stress mit den Eltern, zu tiefer Lohn – die negativen Seiten des Lehrerjobs sorgten zuletzt vermehrt für Schlagzeilen. In dieses Bild passt die diese Woche veröffentlichte Studie zur Berufszufriedenheit. «Genügend, aber nicht wirklich gut», lautet das Fazit des Lehrerverbands.

Nicht alle Lehrer sind gleich betroffen, wie ein genauerer Blick in die Umfrage zeigt. Während Reformhektik und ein tiefer Lohn die Freude am Unterricht bei allen 15 000 befragten Lehrern mindern, offenbart die Studie Unterschiede, speziell zwischen den Schulstufen. Am glücklichsten sind Lehrpersonen im Kindergarten und auf Primarstufe. Hingegen ist der Ärger am Gymnasium und an der Fachhochschule besonders gross. Doch was verursacht dieses Ungleichgewicht? Ist der Unterricht mit jüngeren Kindern einfacher als mit Teenagern? Nein, sagt Lehrerpräsident Beat Zemp. Vor allem das Pensum und der Frauenanteil hätten einen Einfluss.

Im Kindergarten unterrichten 95 Prozent Frauen. Danach sinkt der Anteil kontinuierlich bis unter 50 Prozent auf Gymnasialstufe. Die Befragung zeigt, dass weibliche Lehrpersonen in der Regel zufriedener sind als ihre männlichen Kollegen. 85 Prozent geben an, dass sie ihren Job nochmals wählen würden. Bei den Männern sind es lediglich 75 Prozent. Damit bereut jeder vierte Mann seinen Berufsentscheid.

Die hohe Belastung eines Vollzeitpensums und die schlechte Lohnentwicklung würden den Männern als «Haupternährer» zu schaffen machen, sagt Zemp. Frauen, die öfter Teilzeit arbeiten, seien hingegen mit dem Zusatzeinkommen für die Familie zufriedener. Für Frauen mit Kindern sei die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ein sehr wichtiger Faktor.

Auch Bernard Gertsch, Präsident des Schweizer Schulleiterverbandes, weist auf die Rollenbilder hin: «Männer haben ein ausgeprägteres Aufstiegsdenken als Frauen.» Ein klassischer Karrieresprung wie in einem Unternehmen sei im Lehrerberuf aber nicht möglich. «Ein Sek-Lehrer unterrichtet in der Regel auch zehn Jahre später noch eine Sek-Klasse», sagt Gertsch. Diese mangelnden Aufstiegschancen wirkten sich negativ auf die Bewertung aus.

Ausserdem würden sich die Arbeitsweisen zwischen den Stufen unterscheiden. Lehrpersonen in den höhren Klassen legten grösseren Wert auf die Lehrfreiheit. Einflüsse von aussen sorgten dann schnell für eine grössere Unzufriedenheit, sagt Gertsch. Eine Rolle spiele auch die Arbeitsteilung. Je jünger die Kinder sind, desto eher findet der Unterricht im Team statt. Kompromisse gehörten dann zur Tagesordnung.

Die Ergebnisse der Befragung dürften auch in die Debatte über die Feminisierung der Schule einfliessen. Dass Männer oft unzufriedener sind als Frauen, erschwert die Rekrutierung von Primarlehrern. Dabei wäre es für die Schülerinnen und Schüler wichtig, auch in tieferen Stufen männliche Bezugspersonen zu haben, sind sich Bildungsexperten einig.

Der Lehrerverband gibt bereits Gegensteuer. Projekte wie «Männer an die Primarstufe» sollen diesen Mangel beheben, indem sie Motivationsblockaden abbauen und Karrierechancen aufzeigen. Dabei setzen die Initianten auch auf einen Langzeiteffekt. «Wer in seiner Schulzeit starke männliche Vorbilder auf Primarstufe hatte, kann sich später eher vorstellen, Primarlehrer zu werden», sagt Schulleiterpräsident Gertsch.

Christoph Eymann, Präsident der Erziehungsdirektoren, ist zuversichtlich, mehr Männer für die tieferen Stufen zu gewinnen. Potenzial sieht er vor allem bei der Quereinsteiger-Ausbildung. «Männer sind überdurchschnittlich interessiert.»

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