Es ist ein Kampf auf oberster Ebene. Auf der einen Seite Topanwalt Lorenz Erni, der im Auftrag seines Klienten für dessen Freilassung kämpft. Auf der anderen Seite der Zürcher Oberstaatsanwalt Martin Bürgisser, der einen der brutalsten Mörder der Schweiz nachträglich verwahren lassen will.

Der Justizkrimi dreht sich um Werner K.* Der Hilfsgärtner zerstückelte 1990 die Leiche von Astrid W.* (†25) und warf sie in einen Bach in Adliswil. Bei der Verhaftung stellte sich heraus, dass er Jahre zuvor Hans M.* die Kehle durchgeschnitten hatte. Die Beute: 10 Franken. Für beide Delikte, Mord und vorsätzliche Tötung. wurde Werner K. 1993 zu 20 Jahren Zuchthaus verurteilt. Damals titelte die Boulevardzeitung «Blick»: «Die Blutspur war 300 Meter lang.» Und die «NZZ» berichtete von Mordfällen, die «so ekelerregend sind, wie es selbst bei Tötungsdelikten eher selten ist».

Jetzt schreibt der heute 52-jährige Werner K. wieder Geschichte. «Mitte Juli hat das Zürcher Obergericht entschieden, dass die nachträgliche Verwahrung für Herrn K. rechtens ist. Zum gleichen Schluss kam zuvor schon das Bezirksgericht», sagt Oberstaatsanwalt Bürgisser auf Anfrage. Das bedeutet eine erstaunliche Kehrtwende der Justiz. Zuvor hat sich Werner K. drei Jahre lang erfolgreich durch alle Gerichtsinstanzen gegen seine nachträgliche Verwahrung gewehrt. Er durfte sich deshalb berechtigte Hoffnungen machen, das Zuchthaus als freier Mann zu verlassen. Dort sitzt er wegen des Rechtsstreits noch immer, obwohl er bereits seit dem 8. Oktober 2011 seine 20-jährige Haftstrafe verbüsst hat.

Der Grund für die richterliche Kehrtwendung erklärt Oberstaatsanwalt Bürgisser so: «Seither wurde die neue Strafprozessordnung eingeführt und die gerichtliche Zuständigkeitsordnung hat sich verändert.»

Dass der Staatsanwalt aus Zürich seit drei Jahren dafür kämpft, dass Werner K. nicht freikommt, hat einen handfesten Hintergrund. Auf einer internen Liste aus Justizkreisen sind die Namen von acht Tätern aufgeführt, die als gefährlich eingestuft wurden. Diese wurden nach der Freilassung ausnahmslos rückfällig. Auf der Liste befinden sich auch Namen, die noch freikommen sollen, obwohl sie als stark rückfallgefährdet gelten. Einer davon ist Werner K. Dass dieser in der Haft geheiratet und sich eine neue Identität zulegt hat, indem er den Namen seiner Frau annahm, sorgt nicht für zusätzliches Vertrauen bei der Zürcher Justiz.

Doch Werner K. gibt nicht auf. Sein Anwalt Erni bestätigt: «Wir werden den Fall weiter an das Bundesgericht ziehen. Die Frist dazu läuft noch bis Mitte September.» Oberstaatsanwalt Bürgisser rechnet sogar damit, dass am Ende der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte in Strassburg den «Grundsatzentscheid, ob und unter welchen Voraussetzungen man einen Täter nachträglich verwahren kann», fällen wird. Bis es so weit ist, bleibt Werner K. in Haft.

* Namen der Redaktion bekannt

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