Für die meisten der 29 585 Jäger ist aktuell die spannendste Zeit des Jahres: Sie dürfen wieder jagen. Lange litten die Jagdgesellschaften an Mitgliederschwund. Mit Flyern und Kampagnen kämpften sie gegen die Überalterung an. Mit Erfolg. Es gibt wieder mehr Jungjäger. Heute sind 802 registriert. Vor fünf Jahren waren es noch 682. Weitere 1370 sind in der Ausbildung.

Das wirkt sich auf den Altersdurchschnitt innerhalb der Gesellschaften aus. So waren die Revierjäger im Kanton Luzern bis vor 10 Jahren durchschnittlich 60 Jahre alt. Heute sind sie 55 Jahre. «Das ist zwar immer noch relativ hoch, doch es findet eine Veränderung statt», sagt David Clavadetscher von der Revierjagd Luzern und Geschäftsführer des Verbands Jagd Schweiz. Zum einen würden sich immer mehr Frauen für die Jagd begeistern. Sie machen heute rund 8 Prozent der Jäger aus. Zum andern finde bei der Ernährung eine Rückbesinnung zu den Wurzeln statt. «Viele Junge sind naturbegeistert. Wollen im Wald aber nicht nur Sport treiben, sondern interessieren sich auch für die Wildtiere», sagt Clavadetscher. «Ein Reh während des Sommers zu beobachten und es dann im Herbst zu erlegen und zu kochen, gibt jedem ein anderes Gefühl, als wenn man ein Rehschnitzel im Supermarkt kauft.»

Das sieht auch Philipp Achermann so. Er ist Inhaber eines Sportgeschäftes und Jäger in Ausbildung. «Ich freue mich darauf, ein eigenes Reh meiner Familie zuzubereiten», sagt Achermann. Als Kind ging er mit seinem Onkel mit auf die Jagd. Der Wunsch, sich den Jägern anzuschliessen, kam mit der Gründung der eigenen Familie auf. Die Umstellung vom reinen Wild-Esser zum Jäger ist aber gross. Schiessen, ausnehmen, häuten und dann kochen erfordere Routine und sei zu Beginn nicht einfach. «Noch nie war ich so nah dran, Vegetarier zu werden.»

Bis jetzt hatte Achermann noch keinen Jagderfolg. Doch es geht ihm weniger um die Trophäe, als um das ganze «Drumherum». «Ein Jäger verbringt die meiste Zeit mit Beobachten und Zählen von Tieren.» Auf Grosswildjagd nach Afrika würde er nie gehen. «Jagd bedeutet für mich Respekt vor Tier und Umwelt.»

Zur Sicherstellung einer tierschutzgerechten Jagd hat der Bund das Jagdgesetz verschärft. So ist ab dem 1. Januar 2015 ein Treffsicherheitsnachweis für jeden Jäger Pflicht. Das bedeutet: Jeder Jäger muss jährlich seine Schiessfähigkeit unter Beweis stellen. Nicht alle dürften diesen Test bestehen.

Die Jagdverbände sind sich dessen bewusst und haben die Ausbildung standardisiert. Damit wollen sie jungen Menschen den Einstieg erleichtern. Für den Präsidenten von Jagd Schweiz, Hanspeter Egli, steht aber fest: «Frauen und Männer sollten nicht aus einer Mode heraus Jäger werden, sondern sich der Verantwortung auch bewusst sein.» Wem es lediglich um das Schiessen der Tiere gehe, sei fehl am Platz.

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