Arbeitslosenversicherung, AHV, Invalidenversicherung, Berufsunfall, Pensionskasse: Die Liste der Abgaben, die Arbeitgeber für ihre Angestellten leisten, ist lang – und wird nun um einen Punkt erweitert: Im Kanton Freiburg müssen Unternehmen seit 1. Januar 2012 eine Krippensteuer zahlen. Sie leisten damit, wie die Eltern und der Staat, einen Beitrag zur Finanzierung von Kindertagesstätten.

Die neue Steuer ist gesetzlich festgelegt: 0,4 Promille der Lohnsumme müssen die Firmen für ausserfamiliäre Betreuungseinrichtungen abgeben. Bei einem Salär von 6000 Franken macht das Fr. 2.40. «Das Ziel des Gesetzes ist, dass durch die finanzielle Beteiligung der Wirtschaft Eltern entlastet und mehr Krippenplätze geschaffen werden können», sagt Stéphane Quéru, Vorsteher des Jugendamtes im Kanton Freiburg. Schliesslich profitierten Firmen davon, wenn gut qualifizierte Arbeitskräfte im Unternehmen bleiben, auch wenn sie Kinder haben. Quéru ist zufrieden mit dem neuen Modell: «Die Unternehmen haben gut auf die Krippenabgabe reagiert und sind gern bereit, ihren Beitrag zu leisten.»

Auch der Kanton Waadt lässt Firmen für die externe Kinderbetreuung zahlen: Hier gehen 0,8 Promille der Lohnsumme an einen Fonds, der das Geld an Kindertagesstätten verteilt. «In der Anfangsphase hat die Gesetzesänderung dem Kanton Waadt erlaubt, 4000 neue Krippenplätze zu schaffen», sagt Heinz Wernli, Leiter der Bewilligungs- und Aufsichtbehörde des kantonalen Jugendamtes.

Familienpolitiker und Verbände wollen die Unternehmen nun schweizweit in die Verantwortung nehmen. Denn die Krippen in der Schweiz brauchen mehr Geld. «Wir werden in den nächsten Wochen Sondierungsgespräche mit der Wirtschaft aufnehmen», sagt Talin Stoffel, Geschäftsführerin des Verbandes Kindertagesstätten der Schweiz (KiTaS).

Ihr Ziel: Statt Eltern und dem Staat mehr Kosten aufzubürden, sollen sich die Unternehmen an der Finanzierung von Kindertagesstätten beteiligen – am liebsten in Form einer verpflichtenden Steuer nach Freiburger Vorbild. «Eine Krippenabgabe aller Unternehmen ist sinnvoll, da sich alle gleich an der Finanzierung beteiligen», sagt Talin Stoffel.

Doch auch andere Modelle seien denkbar, etwa die Beteiligung einzelner Firmen, wie dies der Konzern ABB mache. Er hat einen Verein gegründet, der heute insgesamt 13 Kinderkrippen führt und in dem über 700 Kinder betreut werden.

Unterstützung erhält KiTaS von der Bildungspolitikerin und Zürcher SP- Nationalrätin Jacqueline Fehr. Sie ist überzeugt: «Wie die Kinderbetreuung finanziert werden kann, damit die Angebote auch für Mittelschichtfamilien bezahlbar sind, wird neben der Qualitätsentwicklung das zentrale Thema der nächsten Jahre sein.» Es sei an der Zeit, dass die Unternehmen eine stärkere Mitverantwortung übernehmen. Fehr: «Das Fonds-Modell, das es in der Romandie bereits gibt, kann den Weg weisen.»

Derzeit arbeitet Jacqueline Fehr an einem Konzept zu dem Thema. Im Sommer will sie es mit einem Vorstoss ins Parlament bringen.

Heinz Wernli vom Jugendamt des Kantons Waadt ist überzeugt: «Die Beteiligung der Wirtschaft kann überall ein Modell sein.» Es brauche lediglich einen parlamentarischen Willen. Wernli: «Wenn das bei uns möglich war, ist es überall möglich.»

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